20.10.2021 14:00 |

Opposition verärgert

„Das sündteure Wohnen in Tirol ist hausgemacht“

Leistbares Wohnen in Tirol ist nicht wirklich leistbar. Das zeigt eine Analyse der „Tiroler Krone“. Die schwarz-grüne Landesregierung listet ihre Akzente auf, mit denen sie für leistbares Wohnen in Tirol sorgen möchte. Die Oppositionsparteien laufen dagegen Sturm: „Das sündteure Wohnen ist hausgemacht!“

Leistbarer Wohnraum ist in Tirol eine besonders vielschichtige Herausforderung, da sich hier auf relativ engem Raum sowohl Ballungsräume mit starkem Zuzug als auch Abwanderungsregionen mit schrumpfender Bevölkerung finden. „Hinzu kommen noch das große Studierendensegment in Innsbruck sowie sehr kaufkraftstarke Käufersegmente aus dem Ausland“, erklärt Jürgen Huber in seiner Studie „Wege zu leistbarerem Wohnen in Tirol“, publiziert im Jänner 2021. Der Landesregierung könne guter Wille nicht abgesprochen werden, wie Huber betont, trotzdem steigen die Immobilienpreise und Mieten seit Jahrzehnten schneller als die Einkommen.

„Neues 47 Mio. Euro starkes Wohnpaket in Kraft“
Welche Akzente setzt Schwarz-Grün? „Seit 1. August 2021 ist das neue 47 Mio. Euro starke Wohnpaket in Kraft. Es beinhaltet mehrere Maßnahmen für leistbares Wohnen. Im Fokus steht eine neue Subjektförderung light, ein neuer Zuschuss für Junges Wohnen sowie mit den Starterwohnungen ein tolles Angebot für junge Menschen“, erklärt Sprecherin Elisabeth Huldschiner, „daneben gibt es Reformen wie die Erhöhung der Förderung bei verdichteter Bauweise auf bis zu 1400 € pro m2 Nutzfläche oder die Festlegung einer neuen, sehr moderaten Entwicklung der Mietpreise.“

Für die Leerstandserhebung in Innsbruck werden die gesetzlichen Grundlagen erarbeitet, ebenso werde die Möglichkeit einer Leerstandsabgabe kreiert, um Spekulationen entgegenzuwirken. Mit dem Projekt „Sicheres Vermieten“, das im Entstehen sei, wolle man leer stehende Wohnungen auf den Mietmarkt bringen. Auch beim studentischen Wohnen starte die Neue Heimat Tirol jetzt mit neuen stark erhöhten Förderungen gerade ihr erstes Projekt mit knapp 96 leistbaren Wohnplätzen in Innsbruck.

Bedarfserhebung und -planung gefordert
Mit diesen Maßnahmen nicht zufrieden zeigt sich die Opposition. „Das sündteure Wohnen ist hausgemacht“, poltert LA Markus Sint von der Liste Fritz. Er setzt sich für eine Bedarfserhebung sowie -planung ein. Außerdem fordert der Politiker, mit der Leerstandserhebung für die Bezirkshauptstädte samt Umland zu beginnen. Auch eine Baulandmobilisierung sowie eine Quadratmeter-Obergrenze für Chaletdörfer sollen umgesetzt werden.

„Nicht mehr als 25% des Haushaltseinkommens“
Georg Dornauer, Klubobmann der neuen SPÖ Tirol, spricht von einer „Wohnkostenkrise“. Tirolerinnen und Tiroler sollen für das Wohnen nicht mehr als 25% des Haushaltseinkommens aufwenden müssen. Seine Maßnahmen: Leerstand und Spekulation bekämpfen, Freizeitwohnsitze und den Ausverkauf des Landes verhindern sowie brachliegendes Bauland mobilisieren.

Dass das Wohnen endlich leistbarer werden muss, findet auch FP-Landesparteichef Markus Abwerzger. Er steht für den Erlass der ImmoESt beim Verkauf von vermieteten Wohnungen, für die Schaffung von Anreizen für Vermieter, damit Objekte nicht leer stehen – darunter fällt auch eine Novelle des Mietrechtsgesetzes auf Bundesebene – sowie für eine Adaptierung der Vergabekriterien gemeinnütziger Wohnungen.

„Einfamilienwohnungen künftig mehr fördern“
Auch Dominik Oberhofer, Klubobmann der Tiroler NEOS, liefert einige Ideen: Die Wohnbauförderung müsse neu aufgesetzt werden. Es sollen damit keine Familienhäuser, sondern nur mehr Einfamilienwohnungen gefördert werden. Zudem müsse die Bauordnung und Bürokratie entrümpelt sowie die Erwerbssteuern für die erste Immobilie abgeschafft werden.

Fakten

Die Studie „Wege zu leistbarerem Wohnen in Tirol“ im Auftrag der GÖD (Gewerkschaft öffentlicher Dienst), Eglo Immobilien GmbH und Dr. Hans Rubatscher, erstellt von Univ.Prof. DDr. Jürgen Huber und erschienen im Jänner 2021, bringt interessante Zahlen hervor:

  • Der durchschnittliche Tiroler Haushalt benötigt heute mehr als ein Drittel seines Einkommens, um seine Wohnungskosten zu decken. Der Kauf eines durchschnittlichen Einfamilienhauses - 524.000 Euro und damit doppelt so viel wie im österreichischen Durchschnitt - würde den durchschnittlichen Tiroler 24 Jahresnetto-Einkommen - derzeit rund 22.000 Euro - kosten. Die dafür nötige Sparleistung - das gesamte 45-jährige Erwerbsleben lang 2/3 des Einkommens, da auch Zinsen zu zahlen sind - ist schlicht nicht machbar und deshalb erleben mittlerweile immer mehr Tiroler Folgendes: Das Traumhaus bleibt ein unerfüllter Traum.
  • Von 2010 bis 2020 stiegen die Einkommen in Tirol im Schnitt insgesamt um 25%, allerdings betrug die Inflation/Geldentwertung in diesem Zeitraum 18%, sodass die Realeinkommen gerade einmal um 7% bzw. um rund 0,7% pro Jahr stiegen. Gleichzeitig stiegen aber die Immobilienpreise um 76% und die Mieten um 42%.
  • Die Covid-19-Pandemie hat die Lage nochmals deutlich verschärft: 2020 stiegen die Immobilienpreise in Österreich im Schnitt um 9,5% und damit mehr als viermal so stark wie die Löhne und die Gehälter! Bei Einfamilienhäusern betrug der Preisanstieg im vergangenen Jahr sogar 12,1% und in Innsbruck schockierende 14%.
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