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Italien: Regierung will Tunesier für Heimreise bezahlen
Sechs Schiffe will das Innenministerium nach Lampedusa entsenden, um die über 5.000 Flüchtlinge aufs Festland zu bringen, die sich noch auf der 20 Quadratkilometer großen Insel befinden. Für die Migranten von Lampedusa will der italienische Innenminister Roberto Maroni provisorische Auffanglager zur Identifizierung und Abschiebung aufbauen. Bis zu 1.500 Personen sollen in einem Zeltlager in Manduria unweit der apulischen Stadt Taranto untergebracht werden.
Das Zeltlager wird auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens entstehen. Ein zweites Zeltlager ist auf dem Militärflughafen der sizilianischen Stadt Trapani geplant. "Niemand hatte mit einem derartigen Migrantenstrom aus Tunesien gerechnet", sagte Vize-Innenminister Alfredo Mantovano. Seit Jahresbeginn erreichten 18.000 Tunesier die Insel Lampedusa, im vergangenen Jahr waren es lediglich 27.
Italien ist zur Zwangsabschiebung bereit
"Wir sind zur Zwangsabschiebung bereit, sollte sich Tunesien in den nächsten Tagen nicht für die Rückübernahme der Migranten einsetzen", sagte Maroni. Er bemängelte, dass sich Tunesien verpflichtet habe, Maßnahmen gegen die Abfahrt der Migranten von seinen Küsten zu ergreifen, die Massenabfahrten seien jedoch nicht gestoppt worden. Der Ministerrat berät am Mittwoch über Maßnahmen, die Tunesien bei der Patrouillierung der Küsten helfen sollen, um Migrantenabfahrten zu verhindern. Denn das Chaos nimmt kein Ende – alleine in der Nacht auf Dienstag landeten wieder einige Boote mit insgesamt 454 Migranten.
Bewohner fürchten um ihre Sicherheit
Verzweiflung macht sich unterdessen auch bei dem Bewohnern Lampedusas breit. Einige Bürger besetzten am Dienstag das Rathaus der Insel und rollten Spruchbänder mit Slogans gegen die "Migranteninvasion" aus Nordafrika aus. "Wir sind keine Rassisten, hier geht es ums Überleben", betonte ein Demonstrant. Die Bürger bemängelten, dass die Straßen der Insel von tunesischen Migranten belagert seien. Die hygienische Lage sei besorgniserregend.
Für einen Eklat sorgten außerdem Berichte von einem Ehepaar, das in seiner Wohnung von tunesischen Flüchtlingen ausgeraubt wurde. "Die Tunesier haben die Insel besetzt. Die Migranten dringen in die Wohnungen ein und bedrohen die Einwohner, die sich aus Angst in ihre Wohnungen verschanzen", berichtete der Präsident der Region Sizilien, Raffaele Lombardo, in einem TV-Interview. "Die Migranten haben sich bisher meist nicht aggressiv verhalten. Sollten sie aber begreifen, dass wir sie nach Hause zurückbringen wollen, könnten Revolten ausbrechen", betonte Lombardo.
Schon am Montag war es auf Lampedusa zu Bürgerprotesten gekommen. Fischer blockierten mit Booten den Zugang zum Hafen Lampedusas. Damit wollten sie die Landung weiterer Migranten verhindern. Eine Gruppe von Frauen kettete sich aus Protest am Eingang des Hafens an. "Wir sind von allen verlassen worden. Wir wollen unsere Freiheit zurück", betonten die Demonstranten.
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