18.10.2021 08:55 |

Serie: Young@work

Jung und ohne Job? Da braucht es Beratung

Über junge Menschen auf der Suche nach dem (ersten) richtigen Job, ihre Berufswünsche, woran es bisweilen hakt und was AMS-Jugendberater eigentlich mit Depressionen zu tun haben.

Exakt 200 Jugendliche waren im September auf der Suche nach einer Lehrstelle beim AMS Vorarlberg vorgemerkt. 41 von ihnen konnten noch keinen genauen Berufswunsch äußern. Ein Problem, das AMS-Jugendberaterin Eva Grobner nur zu gut kennt: „Jugendliche, die bei uns vorstellig werden, stehen oft komplett am Anfang. Sie wissen noch nicht, was sie sich vom Leben erwarten, was sie machen wollen, welche Interessen sie haben und wo ihre Potenziale liegen. Und Letztere verändern sich zum Teil ständig. Manche haben nahezu bei jedem Termin einen anderen Berufswunsch.“

Offene Stellen – wenig Interesse
Dass die Wünsche der jungen Menschen nicht immer mit den Angeboten des Arbeitsmarktes übereinstimmen, zeigt sich insbesondere bei Berufen im Fremdenverkehr: Während die Branche hierzulande im September 150 Lehrlinge suchte, wollten lediglich sechs Jugendliche im Tourismus arbeiten. Doch auch das Arbeiten mit Holz hat anscheinend seinen Reiz verloren: Die 38 offenen Lehrstellen bei Holzverarbeitern stoßen bei der Jugend auf verschwindend geringes Interesse. Bevorzugt werden aktuell Ausbildungen in den Bereichen Metall und Elektro sowie Handel und Büro.

Freilich haben die Jugendlichen gelegentlich auch andere Vorstellungen von diesem oder jenem Job. Entsprechend wichtig ist es, ihnen Orientierung zu geben: „Welche Optionen gibt es? Wo kann man sich informieren?“, so Grobner, die mit manchen aber auch schlichtweg an den Basics arbeiten muss: „Termine einhalten, Mails korrekt schreiben oder einen adäquaten Lebenslauf verfassen - teilweise fehlt Grundlegendes.“

Berufsorientierung ist also ein großes Thema, schließlich bestimmt die Wahl der Lehre die kommenden Jahre - wenn auch nicht das ganze Leben. Während sich nämlich Großeltern und Eltern der heutigen Jugend meist schon in jungen Jahren für einen Berufsweg entschieden haben und im Anschluss mitunter bis zur Pension im selben Betrieb geblieben sind oder diesem nach wie vor die Treue halten, schaut das heute anders aus: Jobwechsel gehören fast schon zum guten Ton und werden selbst ab dem 40. Lebensjahr nicht mehr gleich als Zeichen einer Midlife-Crisis betrachtet.

Wer allerdings am Beginn seiner beruflichen Karriere steht, fühlt sich von diesen Aussichten zuweilen verunsichert. Welchen Beruf soll man ergreifen? Was, wenn man sich für eine Lehre oder ein Studium entscheidet und erst danach merkt, dass es nicht das richtig ist?

Lernen, Privates und Berufliches zu trennen
Nicht selten kommen private Probleme dazu - von der in die Brüche gegangenen Jugendliebe über familiäre Streitigkeiten bis hin zur Scheidung der Eltern. „Erwachsene haben gelernt, Privates und Berufliches zu trennen. Junge Menschen können das noch nicht so gut“, weiß AMS-Jugendberaterin Grobner und versucht in solchen Fällen, den Jugendlichen ein paar Tage Luft zu verschaffen.

Auffallend und vor allem erschreckend ist zudem, dass immer mehr junge Menschen depressive Verstimmungen oder sogar Burn-out-Syndrome aufweisen - ein Trend, den auch Studien mittlerweile bestätigen: Demnach ist die Zahl der Personen mit Depressionen und Angststörungen 2020 weltweit massiv gestiegen, die größten Zunahmen waren bei Frauen und jungen Menschen zu verzeichnen. In solchen Fällen mache es keinen Sinn, die Jugendlichen in eine Lehre oder einen Job zu drängen, ist Eva Grobner überzeugt: „Hier muss erst einmal alles darangesetzt werden, dass sie wieder auf die Beine kommen, dass die Arbeitsfähigkeit aufgebaut und gefestigt wird und dass sie belastbar werden. Nicht nur für einen potenziellen Job, sondern auch ganz generell. Da kann es schon mal dazu kommen, dass ich den Betroffenen erst mal ein Therapieangebot nahelege und Tipps gebe, wohin sie sich diesbezüglich wenden können.“

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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