15.10.2021 16:10 |

„Krone“-Kolumne

Von wegen „Summer of Love“!

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller über die neuen sexuellen Zeiten. 

Vor dem Sommer haben sich noch viele in Prognosen gewagt: Singles würden sich nach dem Lockdown in heiße Liebesabenteuer stürzen. Angeblich sollte es ein „Summer of Love“ werden, zumindest am Donaukanal. Nun gibt es erste Zahlen, die zeigen, wie schon wieder die Pandemie-Fantasie mit den Menschen durchgegangen ist. Singles hatten im Durchschnitt im letzten Jahr nur einen sexuellen Kontakt. Das ist die wenig aufregende Dating-Realität von Menschen ohne verbindlicher Liebesbeziehung in der Pandemie.

Die Daten stammen aus einer repräsentativen Studie von 5000 Singles in Amerika, deren Ergebnisse gerade veröffentlicht wurden. Die Studie zeichnet ein ganz anderes Bild als man medial im Sommer präsentiert bekam. 85 Prozent der Singles geben in der Studie an, dass Sex für sie weniger wichtig ist als noch vor der Pandemie. Nur acht Prozent der Singles hatten während der Pandemie einen One-Night-Stand. Warum so wenige? Weil drei von vier Befragten wählerischer geworden sind, mit wem sie intim werden wollen. Die Hälfte sucht auch keinen unverbindlichen Sex (mehr), sondern eine Liebesbeziehung - und spielt deshalb beim ersten Date gar nicht „zu-mir-oder-zu-dir“. Die Kolleginnen in den USA sprechen schon von einer sexuellen Rezession. Auch in Österreich hat in der Pandemie der Großteil der Singles monatelang niemand umarmt oder geküsst.

Seit einem Jahr könnten wir es wissen - und seit einem Jahr hat es seriöse Sexualforschung in verschiedenen Ländern bereits belegt: Eine Pandemie ist keine sexuell anturnende Zeit. Weder für Singles, noch für Paare, noch für polyamore Beziehungskonstellationen. Da helfen auch keine sexuellen Fantasien vom angeblichen Summer of Love, obwohl es natürlich schön ist, von neuen sexuellen Zeiten zu träumen. Aber das tut im Moment nicht einmal jeder fünfte Single. Nur 21 Prozent der Befragten in der US-amerikanischen Studie rechnen mit mehr Sex in der Zeit nach der Pandemie. Und ihr Ende könnte ja auch noch etwas dauern.

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Barbara Rothmüller
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