14.10.2021 12:56 |

Pommers Feierabend

Ich habe mir diesen Job nie gewünscht!

Einen schönen Donnerstagabend.

Ich habe gestern das erste Interview mit dem neuen Bundeskanzler Alexander Schallenberg im Fernsehen gesehen. Also nicht alle sechs, aber zumindest vier davon. Die da waren: Das erste Interview. Das erste mittelgroße Interview. Das erste größer als mittelgroße Interview. Und das erste große Interview. Österreichs Medien waren empört, dass Schallenberg zuerst mit der deutschen Tageszeitung „Bild“ gesprochen hat, also mit dem Ausland. Ich sehe das nicht so eng. Es ist nicht verwunderlich, dass sich Schallenberg dafür einen Journalisten aussucht, der sich mit politisch instabilen Systemen auskennt. Paul Ronzheimer war vor wenigen Wochen immerhin noch in Kabul. Bevor jetzt die Massen in die Kanalisation waten, um sich für den Shitstorm aufzumunitionieren, natürlich vergleiche ich Österreich NICHT mit Afghanistan. Aber auch ich würde mir als Schallenberg einen Kriegsreporter aussuchen, der ganz genau weiß, was zu tun ist, wenn sich ein Schuss löst - und wenn er auch nur wieder ins eigene Knie geht.

Ich habe als Chef meines neu gegründeten Meinungsforschungsinstituts eine repräsentative Umfrage mit mir selbst durchgeführt (online, für Gespräche habe ich momentan leider so wenig Zeit) - und das Ergebnis: 100 Prozent der Befragten fanden die Interviews jetzt nicht so toll. Schallenberg, der ja zuvor kaum etwas mit der Bundesregierung zu tun hatte, konnte viele Fragen - etwa über 3 G am Arbeitsplatz - gar nicht beantworten. „Ich wurde erst vor 48 Stunden angelobt“, war sein Lieblingssatz. Der zweite: „Ich habe mir diesen Job nie gewünscht.“ Jetzt ist es natürlich besser, wenn so etwas ein Bundeskanzler zu einem sagt, statt zum Beispiel ein Chirurg, aber sehr vertrauenerweckend ist das nicht.

Dankbar bin ich dafür, dass er mit diesem Gerücht aufräumen konnte: Kurz und Schallenberg sind „natürlich unterschiedliche Menschen“. Das war bis gestern ja nicht klar. Kaum hatte ich in dieser Frage den Durchblick, stürzte ich wieder in ein Loch absoluter Verwirrung. „Die Pandemie ist noch nicht im Rückspiegel“, sagte Schallenberg - und das, obwohl sie ja bekanntlich mit dem Auto kommt. Aber vielleicht hat sie sich auch einfach nur das Klimaticket gekauft.

Morgen berichten wir in der „Krone“ darüber, dass bei vielen Rettungsorganisationen im Falle eines Blackouts in 48 Stunden das Licht ausgeht - also im gleichen Zeitraum, in dem es bei anderen erst angeht. Wir werden jetzt einmal recherchieren, wie gut die Notstromaggregate im Ausweichquartier des Parlaments funktionieren. Nicht dass wir am Ende noch einen Schattenkanzler haben.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

Michael Pommer
Michael Pommer

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