Erster grüner Ortschef

„Die Blicke werden sicher auf uns gerichtet sein“

Am 9. November wird Rudi Hemetsberger als erster grüner Bürgermeister Oberösterreichs angelobt. Im Frühjahr hatte die Öko-Partei in seiner Heimatgemeinde Attersee nicht einmal eine Ortsgruppe. Umso mehr freut sich der 43-Jährige nun über diesen Erfolg.

„Krone“:Mit 59,9 Prozent der Stimmen entschieden Sie die Stichwahl gegen ÖVP-Kandidat Philip Weissenbrunner für sich. Was ging Ihnen durch den Kopf?
Rudi Hemetsberger: Es war ein unglaubliches Gefühl. Vor einem halben Jahr war nicht einmal klar, dass wir einen Kandidaten stellen werden. Als der SPÖ-Bürgermeister (Anm. Walter Kastinger) bekannt gab, nicht mehr anzutreten, spürte ich immer mehr die Wendestimmung. Da hatten wir natürlich den großen Vorteil, dass wir vorher nicht im Gemeinderat aktiv waren.

Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben?
Da hat einiges zusammengespielt. Alle fünf Kandidaten hatten die gleiche Ausgangslage, es gab keinen Amtsbonus, alle waren gleich auf. Ich habe mir auch viel Zeit bei den Hausbesuchen genommen. Oft habe ich in vier Stunden nur vier Häuser geschafft. Sicherlich hat auch geholfen, dass mein Schwiegervater der noch immer sehr beliebte ehemalige ÖVP-Bürgermeister Toni Resch ist und wir quasi in unserem gemeinsamen Haus eine grün-schwarze Koalition haben. Und ich denke, dass auch die bundespolitischen Ereignisse mitentscheidend waren.

Wie meinen Sie das?
Ich glaube, dass doch einige ÖVP-Wähler daheim geblieben sind und wir davon profitiert haben.

Warum glauben Sie, dass in Attersee der Wunsch nach einer Wende da war?
Wir haben, wie viele Nachbargemeinden auch, mit den Problemen der starken Verbauung, der Zweitwohnsitze und natürlich des Verkehrs zu kämpfen. Hier hoffen die Menschen auf einen frischen Wind.

Wie kann der Bürgermeister dafür sorgen?
Einerseits geht es vor allem darum, dass man atmosphärisch für eine gute Grundstimmung sorgt, wenn man die Bürger viel stärker einbindet und transparent agiert. Beim Thema Raumordnung oder Bauen kann man als Gemeinde auch einiges machen und Entscheidungen treffen.

Sie sind der erste grüne Ortschef Oberösterreichs. Wie gehen Sie damit um?
Mir ist diese Vorreiter-Rolle durchaus bewusst, vor allem nach den vielen Gratulationen nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses. Ebenso ist mir klar, dass viele Blicke ganz besonders auf uns gerichtet sein werden. Dieser Herausforderung werden wir uns stellen.

Sie sind auch Landtagsabgeordneter und Unternehmensberater, werden Sie das Bürgermeisteramt hauptberuflich ausüben?
Meine Schwerpunkte werden künftig meine Heimatgemeinde Attersee und der Landtag sein.

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