Atomunfall in Japan

So arbeiten die “letzten 50” im Unglücks-AKW

Ausland
25.03.2011 08:55
In Spezialanzügen und ausgestattet mit Atemschutz verharren 50 Arbeiter weiterhin im japanischen Unglücks-AKW, um die Auswirkungen der Reparaturarbeiten zu überwachen und wichtige Daten zu sammeln. Nun veröffentlichte Bilder zeigen diese oft als "Helden", aber auch "Todgeweihte" bezeichneten Männer erstmals bei der Arbeit in Fukushima 1. Welcher Gefahr sie sich dabei aussetzen, zeigt ein Vorfall, bei dem drei Angestellte verstrahlt wurden. Zwei Männer mussten danach sogar klinisch behandelt werden.

Die drei verletzten Techniker wollten in Reaktor 3 Kabel reparieren, um das Kühlsystem wieder in Gang zu bringen. Sie seien Strahlung von bis zu 170 oder 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, sagte Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde NISA. 

Die Betreiberfirma Tepco hatte davor festgelegt, dass die Arbeiter am AKW nicht mehr als 150 Millisievert pro Noteinsatz abbekommen dürfen. Der (bereits hinaufgesetzte) Grenzwert der Regierung für AKW-Arbeiter liegt bei 250 Millisievert pro Jahr. Eine Belastung von 100 Millisievert pro Jahr wird normalerweise als niedrigstes Niveau angesehen, bei dem ein erhöhtes Krebsrisiko besteht.

Wasser in Schuhe eingedrungen
Am Vortag waren im Block 3 allerdings weder Wasser noch erhöhte Strahlung festgestellt worden. Deswegen hatten die Arbeiter keine Schutzstiefel an. Das radioaktiv belastete Wasser lief ihnen in die Schuhe. Zwei der drei Arbeiter kamen mit Verbrennungen in eine Spezialklinik. Tepco gab den drei verstrahlten Arbeitern eine Mitschuld an ihren Verletzungen. Die Arbeiter hätten Strahlenzähler bei sich getragen, den ausgelösten Alarm aber ignoriert.

Schon zuvor waren in Fukushima 1 Arbeiter verstrahlt und aus anderen Gründen verletzt worden. Insgesamt hätten nun 17 Arbeiter eine Strahlenbelastung von mehr als 100 Millisievert abbekommen, berichtete Kydodo unter Berufung auf Tepco.

Bei der Erstbehandlung von verstrahlten Menschen gibt es ein einfaches Rezept: jede Menge Flüssigkeit und Elektrolyte, um radioaktive Partikel aus dem Körper zu schwemmen - viel mehr kann zu Beginn nicht getan werden. Es gilt aber: "Je früher desto besser: Wenn man mit der Behandlung einer Strahlenkrankheit sofort beginnt, ist die Chance auf Heilung hoch. Das hat Tschernobyl gezeigt", erklärte Strahlenmediziner Franz Kainberger von der Universität Wien am Donnerstag.

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