04.10.2021 12:45 |

Hoher Sonnblick

Spannende Klimadaten aus unseren Bergen

Das Wetter interessiert uns alle nicht erst seit dem Klimawandel. Was die wenigsten wissen: In den Kärntner Bergen wird eine der weltweit längsten Klimareihen aufgezeichnet.

„Bereits 1851 wurde auf dem 2139 Meter hohen Hochobir in den Karawanken eine erste Bergwetterstation errichtet“, erzählt Meteorologe Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die ebenfalls 1851 gegründet wurde: „Die Zusammenführung der Daten von der Wetterwarte auf dem Dobratsch und der alten auf dem Hochobir bilden heute die längste und durchgehende Messreihe der Ostalpen, die damit bis zum Ende der kleinen Eiszeit zurück reicht. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist diese 170-jährige Messreihe von allergrößter Wichtigkeit.“

Doch es geht für die Wissenschaft noch höher.

Um Daten in atmosphärischen Luftschichten sammeln zu können, wurde bereits 1886 das einzigartige Observatorium auf dem Sonnblick errichtet. „Das war damals gar nicht leicht, einen passenden Gupf dafür in den Hohen Tauern zu finden“, so Hohenwarter. Es wurde der 3106 Meter Hohe Sonnblick, ein Grenzberg zwischen Kärnten und Salzburg: „Der Gipfel selbst, unter dem der Sonnblick-Gletscher liegt, war nämlich schon 1886 nicht vergletschert. Er ist von Heiligenblut aus gut sichtbar.“

Heute ist das hoch gelegene Observatorium eine weltweit einzigartige Forschungsstation und liefert bedeutende Beiträge zur Meteorologie und Umweltforschung. Rund um die Uhr ist die Station von zwei Wetterbeobachtern besetzt. Hohenwarter: „Dem Sonnblick-Verein ist es gelungen, diese Einrichtung im Wandel des 19. und 20. Jahrhunderts samt zweier Weltkriege zu besetzen. Die Tage, als kein Beobachter am Sonnblick war, kann man an einer Hand abzählen.“

Insgesamt vier Wetterbeobachter wechseln einander alle 14 Tage am Berg ab.

Auf dem Dobratsch ist hingegen nur ein Wetterbeobachter stationiert. „Weil es nicht so gefährlich ist wie in über dreitausend Metern Höhe“, so Hohenwarter.

Auf Anregung des Villacher Alpenvereins wurde im Juli 1921 eine meteorologische Beobachtungsstation auf dem Dobratsch aufgestellt. Hohenwarter: „Erst war es der Hüttenwirt des ehemaligen Ludwig-Walter-Hauses, der diese Messungen für den Wetterdienst gemacht hat.“

Mit Unterstützung des Sonnblick-Vereines wurden auf dem Villacher Hausberg immer bessere Messinstrumente installiert. „Im Zweiten Weltkrieg übernahm diese Aufgabe sogar ein Soldat, der zum genauen Beobachten des Wetters abkommandiert worden war.“ Die vielfältigen Daten rund um Regen, Sonnenschein, Wind oder Schneefall aus Kärntens Bergwelt sind damit für alle Meteorologen eine „bombastische Grundlage“ für ihre tagtägliche Arbeit.

„Die Messwerte spiegeln auch die gesamte Erderwärmungsphase vom Ende der kleinen Eiszeit bis zum aktuellen Zeitpunkt und dem damit verbundenen markanten Temperaturanstieg in den letzten Jahrzehnten wider“, so Christian Stefan, Leiter der ZAMG Kärnten: „Das Jahr 2015 war am Dobratsch mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 2,4 Grad Celsius übrigens das wärmste Jahr dieser 170 Jahre langen Reihe."

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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