30.09.2021 05:58 |

Enge Personalsituation

„Krone“-Rundruf: Spitäler bauen Corona-Rückstau ab

Der Rückstau verschobener OPs aus früheren Corona-Wellen ist zwar abgebaut, rasch kann es aber wieder ernst werden - auch aufgrund der Personalsituation, wie eine „Krone“-Recherche ergab.

Der Tenor der großen Häuser: Rückstau aufgearbeitet. Im Wiener AKH, wo die OP einer „Krone“-Leserin mehrfach verschoben werden musste, wird das Programm für planbare Eingriffe „kontinuierlich angepasst“, heißt es. OP-Verschiebungen wegen medizinischer Notfälle unabhängig von Corona seien möglich.

Betten wären da, Pflegekräfte nicht
Schwangerschaften und Abgänge unter den Mitarbeitern zeigen in Salzburg ihre Auswirkungen - vor allem hinsichtlich dessen, dass Covid-Intensivpatienten auch eine intensivere Pflege brauchen. Aktuell müssen dort laut Landeskliniken am Uniklinikum pro Woche etwa fünf OPs um ein, zwei Tage verschoben werden, weil es für die Nachsorge akut kein Intensivbett gibt. Heißt: Das Bett gäbe es, aber nicht die Pflegekräfte dafür. Über die Hintergründe berichtet auch ÖGKV-Präsidentin Elisabeth Potzmann im Interview unten.

In den Tirol Kliniken gibt es derzeit keine Vorgabe für Verschiebungen. Und die „alten“ konnten rasch nachgeholt werden, weil ja aufgrund von Lockdowns und Co. Touristen wie verunfallte Wintersporturlauber weggefallen waren - die dort doch einen großen Patientenanteil ausmachen.

Bei den Burgenländischen Krankenanstalten mussten im Frühjahr einzelne Eingriffe verschoben werden - der Großteil sei aber aufgearbeitet bzw. der Rest laufend. In Niederösterreich wurde der Rückstau im Sommer weitestgehend abgearbeitet, auch jetzt müssten OPs mit Terminen laut Landesgesundheitsagentur nicht abgesagt werden.

Seitens der steirischen Gesundheitsunternehmen zeigt man sich froh: Die Lage sei stabil auf nicht allzu hohem Niveau, man habe keinen Grund für Verschiebungen - und die alten seien aufgearbeitet. Außer die Patienten selbst wollen noch warten.

In Kärnten ist die Lage in den Landesspitälern trotz steigender Infektionszahlen derzeit stabil, die Patientenzahl sei „bewältigbar“ und habe keinen Einfluss auf planbare Eingriffe. Verschobene OPs der ersten Wellen seien „längst kein Thema mehr“. Im Ordensklinikum Linz sind alle „alten“ verschobenen Eingriffe abgearbeitet. Verschiebungen könnten künftig nicht ausgeschlossen werden - derzeit fänden aber alle geplanten Eingriffe statt.

Interview: „Man merkt Unruhe und Frustration“
Das Gesundheitspersonal ist weiter gefordert, wartet auf Anerkennung - und mag bald nicht mehr, weiß Elisabeth Potzmann, Sprecherin der Pflegebranche.

„Krone“: Wie ist die Lage?
Elisabeth Potzmann: Im Tagesgeschäft sieht man schon: Es kommt keine Erleichterung.

Wegen Corona?
Das auch, wir haben ja so etwas wie eine vierte Welle. Da nimmt langsam auch das Verständnis dafür ab, dass man sich nicht an Maßnahmen halten will. Aber dazu kommt, dass mittlerweile vermehrt Kollegen kündigen, das Gesundheits- und Pflegesystem verlassen. Daraus ergibt sich auch eine Belastung, eine Unruhe. Man merkt eine Frustration. Die Kollegen sind ja ständig gefordert, die hätten auch gern einmal Urlaub abgebaut. Laut Studie vom Juni machen bereits fünf Prozent der Kollegen konkrete Schritte zum Ausstieg. Das ist ja nicht wenig. Wir haben den Pflegenotstand teils ja bereits, in der mobilen Langzeitpflege etwa ist er ja schon hier. Wir erhalten das System ja aufrecht, indem wir deprofessionalisieren.

Was braucht es?
Mehr Personal. Und: Wir müssen jenes erhalten, das wir bereits haben! Hier hätten die Kollegen ein entsprechendes Signal gebraucht. Es wurde ja der Pflegebonus versprochen, das wäre zumindest eine Form der Anerkennung, der Wertschätzung. Nur: Passiert ist bisher leider nichts.

Silvia Schober
Silvia Schober
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