25.09.2021 12:55 |

Gesundes Wohnen

Ökologisch bauen und gesund wohnen

Beim Bauen spielt auch die Gesundheit immer öfter eine wichtige Rolle. Was das mit ökologischer Bauweise, schadstoffarmen Materialien und dem „Cradle-to-Cradle“-Prinzip zu tun hat.

Neben durchdachter Architektur und Wohnkomfort sowie einer umweltschonenden und möglichst energieeffizienten Bauweise treten beim Wohnen immer öfter auch gesundheitliche Aspekte in den Fokus. Kein Wunder, schließlich halten wir uns nicht erst seit Corona den Großteil des Tages in geschlossenen Räumen auf. Und ebendort lauert oft ein beträchtlicher Schadstoffmix, denn in vielen Bau- und Wohnmaterialien finden sich Chemikalien, welche die Raumluft und damit die Gesundheit negativ beeinträchtigen können.

Schadstoffe en masse
„Seit circa 70 Jahren stellt die Bauchemie Chemikalien zur Verfügung, mit denen Bauwerke geschützt, abgedichtet, Oberflächen versiegelt oder die Verarbeitung erleichtert werden. Das Problem ist, dass dadurch Schadstoffe anfallen, die negative Auswirkungen auf die Bewohner haben können“, weiß Harald Gmeiner, Baumeister sowie Bereichsleiter „Ökologisch Bauen“ im Energieinstitut Vorarlberg.

Mit dem Label „wohngsund“ haben das Energieinstitut und der Vorarlberger Umweltverband daher einen Qualitätsstandard für gesunde und ökologische Wohnbauten geschaffen. Der dahinterstehende Anforderungskatalog zielt darauf ab, dass ausschließlich schadstoffarme Materialien in Innenräumen verwendet werden. Angesprochen sind einerseits Bauherren, denen die gesunde Innenraumluft in den eigenen vier Wänden ein Anliegen ist. Andererseits will man mit dem Label aber auch Bauträger und Planungsbüros sowie ausführende Handwerksbetriebe erreichen und deren Bewusstsein für die Thematik schärfen.

Strenges Regelwerk
Die Zertifizierung erfolgt in drei Schritten: Zuerst müssen sämtliche verwendeten Produkte vollständig und eidesstattlich durch den verantwortlichen Planer, Bauträger oder die leitende Baufirma deklariert werden. Im nächsten Schritt erfolgt eine durch ein Fachunternehmen durchgeführte Raumluftmessung. Nach der Übermittlung der Ergebnisse an das Energieinstitut Vorarlberg und einer eingehenden Prüfung erfolgt im letzten Schritt - sofern alle Vorgaben eingehalten wurden - die Zertifizierung gemäß den sogenannten „Ökobau-Kriterien“, welche auf Basis einer EU-Richtlinie im Jahre 2011 vom Österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie 2011 entwickelt wurden und mittlerweile in Vorarlberg, Wien und Niederösterreich angewendet werden.

Ganz wichtig: Bei den betreffenden Baustoffen wird der Energieverbrauch und Schadstoffeintrag während des ganzen Produktlebenszyklus berücksichtigt - und zwar von der Herstellung über die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung. Im Gegensatz zu manch anderem Gütesiegel ist das Label „wohngsund“ also keine Mogelpackung, sondern ein echtes Qualitätsmerkmal für nachhaltiges und gesundes Bauen.

Kreislaufwirtschaft
Je natürlicher gebaut wird, umso besser für Umwelt und Gesundheit. Eine gewichtige Rolle spielt dabei das „Cradle-to-Cradle“-Prinzip, also eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Denn nur wenn Materialien immer wieder verwendet und über Generationen hinweg genutzt werden, verursachen sie so gut wie keine Schadstoffe oder Umweltbelastungen. Wer nachhaltig und ökologisch bauen will, sollte unter anderem auf Produkte aus Polyvinylchlorid, kurz PVC, verzichten. „Zwar haben Kunststoffe durchaus gute Eigenschaften“, sagt Gmeiner, „allerdings ist das darin enthaltene Chlor ein großes Problem.“ Das gelte speziell für den Herstellungsprozess und im Brandfall - „dann nämlich entsteht hochgiftiges Dioxin.“

Nicht zu vergessen seien natürlich zwei weitere Defizite der Plastikflut - die Entsorgungsproblematik und riesige Abfallberge. „Mikroplastik ist mittlerweile in unserer gesamten Umwelt und in all unseren Gewässern nachweisbar, was letztlich auch unserer Gesundheit schadet.“

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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