23.09.2021 06:00 |

„Krone“-Gastkommentar:

„Ende der Rabatte und faire Preise für Bauern“

Politik, Handel und Bauern müssen einen gemeinsamen Zukunftsplan erarbeiten! Ein Gastkommentar von Bio-Bergbauer Hannes Royer.

Das Thema Tierwohl ist in aller Munde. Viele Konsumenten wollen heute mehr denn je wissen, wie und wo das Tier gelebt hat, von dem das Fleischstück auf dem Teller liegt. Beim Lebensmitteleinkauf scheint diese Info aber noch nicht zur Gänze angekommen zu sein. Es werden zwar Tierwohl-Produkte angeboten, doch macht das Tierwohl-Segment nur einen kleinen Anteil des Sortiments aus. Während Unmengen von Geldern in die Vermarktung von Billigfleisch fließen, sind Tierwohl-Produkte oft versteckt im untersten Regal der Filiale zu finden. Heimische Produkte mit hohen Tierwohlstandards müssen seitens der Supermärkte stärker beworben werden - anhand der Umgestaltung von Regalflächen und via Bewerbung in Flugblättern und Kampagnen.

Ende der Rabatte und faire Preise für Bauern
Klar muss uns aber auch sein, dass es qualitativ hochwertiges und heimisches Fleisch nicht zum kleinsten Preis gibt. Auch wenn wir ständig von Werbungen mit Rabatten und Aktionen berieselt werden, gilt es, den inneren Schweinehund zu überwinden und nicht immer zum Billigsten zu greifen. Billiges Fleisch ist meist auch billig produziert worden. Bei Tierwohl-Produkten werden die Tiere nicht immer biologisch, sondern oft konventionell unter verbesserten Bedingungen gehalten. Umfragen zufolge sind wir bereit, ungefähr 20 bis 22 Prozent mehr für solche Produkte zu bezahlen. Der Tierwohlaufschlag ist aber um 35 Prozent teurer! Diese Rechnung geht also nicht auf. Hochwertige Lebensmittel gibt es nicht zum billigsten Preis.

Täglich schließen 9 Höfe für immer die Tür
Günstige Lebensmittel gehen auf Kosten derer, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen: die Bauern. Während verarbeitende Betriebe und Handel immer mehr an Lebensmitteln verdienen, sinkt der Gewinn der Landwirtschaft massiv und kontinuierlich. Da wundert es auch nicht, dass seit dem EU-Beitritt täglich neun Höfe ihre Stalltüren für immer schließen und sich einen anderen Brotjob suchen.

Wollen wir auch noch in 20 Jahren Milch und Fleisch aus Österreich genießen, muss sich also einiges ändern: Den Rabattschlachten gehört ein Ende gesetzt, und die Konsumentinnen und Konsumenten sollten bewusst nicht zu rabattierten Produkten greifen, sondern nachhaltig und ihren Werten entsprechend einkaufen. (www.landschafftleben.at)

Hannes Royer, Gastkommentar

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