„Will Vorbild sein“

Österreich greift wieder in der HYROX-Weltelite an

Sport-Mix
30.10.2026 05:30

Am (heutigen) Freitagabend fällt in Hamburg der Startschuss zur neuen HYROX-Elite-Saison. Mittendrin: Österreichs Aushängeschilder Alexander Rončević und Tanja Stroschneider. Während der Ex-Weltmeister möglichst schnell sein Ticket für Hongkong lösen will, jagt Stroschneider eine neue persönliche Bestzeit. Mit „Sportkrone.at“ sprachen sie über ihre Ziele, ihre Erwartungen und den rasanten Aufstieg der Sportart.

Die besten HYROX-Athleten der Welt stehen in den Startlöchern! Am Freitagabend beginnt in Hamburg die neue Elite-Saison 2026/27, bei der es für Alexander Rončević und Tanja Stroschneider nicht nur um einen gelungenen Auftakt, sondern auch um die ersten begehrten Tickets für die Weltmeisterschaft im Juni 2027 in Hongkong geht. Die jeweils ersten drei eines Elite-Rennens (fünf pro Saison) qualifizieren sich direkt für den Saisonhöhepunkt. 

Zu sehen ist das Spektakel auch auf dem offiziellen Youtube-Kanal von HYROX. Das Elite-15-Rennen der Frauen beginnt um 18.30 Uhr, das der Männer um 20 Uhr.

Was ist HYROX?

HYROX ist ein Wettkampf, bei dem Laufen und funktionelles Krafttraining kombiniert werden.

Die Laufstrecke beträgt acht Kilometer. Nach je einem Kilometer sind Übungen vorgesehen:
1. Skiergometer
2. Schlittenschieben
3. Schlittenziehen
4. Burpee Broad Jumps
5. Ruderergometer
6. Farmers Carry
7. Sandbag Lunges
8. Wallballs

Was 2017 in Hamburg als kleine Fitness-Idee begann, ist heute ein globales Phänomen. Es wird entweder im Einzel, im Double oder im Mixed-Double gestartet. Je nachdem, in welcher Kategorie, gibt es unterschiedliche Gewichte für die Stationen. Mittlerweile stehen pro Saison über 100 Rennen in über 100 Städten weltweit auf dem Programm, an denen bereits über 1,5 Million Menschen jährlich teilnehmen. Die Hallen sind voll, die Stimmung ist elektrisierend, die Community ist familiär und der Fitness-Trend wird in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter wachsen.

Rončević geht besonders ambitioniert ins Rennen. Der Weltmeister von 2024 und Weltrekordhalter (51:59,37 Minuten, Anm. d. Red.) möchte möglichst früh Planungssicherheit haben. „Es ist natürlich ein großes Ziel, so schnell wie möglich das Ticket für Hongkong zu sichern“, erklärt der 34-jährige Wiener. Die Vorbereitung verlief vielversprechend. Zuletzt belegte Rončević bei einem Pro-Rennen in Bordeaux den zweiten Platz, obwohl der Wettkampf lediglich als Standortbestimmung und zum Sammeln wichtiger Ranglistenpunkte diente.

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Es macht mich einfach glücklich, wenn mich die Leute in dieser Sportart als Vorbild oder Motivation sehen.

Alexander Rončević über seinen Antrieb

„Will es den anderen nicht einfach machen“
Mit Hamburg verbindet Rončević besonders schöne Erinnerungen. Dort gelang ihm in der vergangenen Saison ein perfekter Auftakt mit Major-Sieg, Weltrekord und vorzeitigem WM-Ticket. „Hamburg ist eine coole Stadt, der Ursprung von HYROX“, schwärmt er. Diesmal wartet erneut ein hochkarätiges Starterfeld. Zu seinen größten Konkurrenten zählen Tim Wenisch, der amtierende Weltmeister Dylan Scott, der starke Kanadier Cole Learn und der WM-Dritte Charlie Botterill. „Die 15, die am Start sind, die können alle was“, weiß Rončević. „Ich möchte einfach rausgehen, eine geile Performance abliefern und es den anderen nicht einfach machen, an mir vorbeizukommen.“

Alexander Rončević bei den Burpee Broad Jumps während dem Rennen.
Alexander Rončević bei den Burpee Broad Jumps während dem Rennen.(Bild: SINAN_CELIK / zVg.)

Rončević zählt seit einigen Jahren zur absoluten Weltspitze und freut sich auf alles, was noch vor ihm liegt. Wie lange er noch auf höchstem Niveau antreten möchte, lässt der ehemalige Schwimmer bewusst offen. Drei bis vier Jahre könnten es durchaus noch werden. „Ich mache das so lange, wie es mir Spaß macht und ich zur Elite gehöre“, betont er. Sollte er eines Tages nicht mehr mit den weltweit 15 besten Athleten mithalten können, würde er wohl einen Schlussstrich ziehen.

Bis dahin genießt er das Profisein – auch mit starken Partnern wie Red Bull, ESN, On oder neuerdings Blackroll an seiner Seite. „Die Trainings, die Trainingscamps, das Reisen und vor allem und das Pushen der Limits im Sport“ zählen für Rončević zu den Dingen, die ihn antreiben. „Es macht mich einfach glücklich, wenn mich die Leute in dieser Sportart als Vorbild oder Motivation sehen“, so der 34-Jährige.

Sled Push bei den Elite-Profis: Ein 202 Kilogramm schwerer Schlitten wird 50 Meter weit ...
Sled Push bei den Elite-Profis: Ein 202 Kilogramm schwerer Schlitten wird 50 Meter weit geschoben.(Bild: zVg.)

Eigenes Gym soll HYROX-Boom in Wien befeuern
Für die Zeit nach seiner aktiven Karriere hat der Wiener bereits vorgesorgt. Gemeinsam mit Partnern eröffnet er ein eigenes Fitnessstudio im 3. Bezirk in Wien. Die Bauarbeiten sind weitgehend abgeschlossen, die Eröffnung ist für Ende November oder Dezember geplant. Neben einem klassischen Trainingsbereich entsteht eine eigene HYROX-Zone, inklusive Hydration-Area von Red Bull. Auch eine Lounge sowie ein Angebot an Bowls, Shakes und Smoothies sind geplant.

Künftig sollen dort auch Workshops, Challenges und Veranstaltungen mit internationalen Elite-Athleten stattfinden. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein. HYROX erlebt auch in Österreich einen riesigen Boom. „Wenn du siehst, in welchen Ecken und Dörfern schon HYROX trainiert wird und Gas gegeben wird, ist das wirklich ein Wahnsinn“, erzählt Rončević von einem Besuch in der Steiermark. Die enorme Nachfrage nach Startplätzen beim Wiener Rennen (19. bis 21. Februar 2027) überrascht ihn daher nicht. „Wir sind genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit unserem Gym“, ist der Weltrekordhalter überzeugt.

Red Bull Road to HYROX – Training wie die Profis
Eine besondere Challenge ist bereits seit September in vollem Gange. Mit der im Vorjahr so erfolgreichen „Red Bull Road to HYROX“ haben ambitionierte Hobbysportler die Chance, sich gemeinsam mit anderen Athleten auf das große HYROX-Event in Wien vorzubereiten. Die erste Herausforderung: 100 Kniebeugen auf Zeit.

Die besten Bewerber dürfen sich anschließend beim Qualifying-Event am 14. und 15. November im Zone.Fit Arch im 19. Bezirk beweisen. Insgesamt werden heuer 400 Teilnehmer eingeladen – doppelt so viele wie im Vorjahr. Nur 20 schaffen es ins mehrmonatige Coaching-Programm mit individuellen Trainingsplänen, Leistungstests und garantiertem Startplatz in Wien. Einsendeschluss für die Bewerbung ist der (heutige) Freitag, der 30. Oktober.

„Du merkst, dass der Sport immer größer wird, dass die Nachfrage immer größer wird und dass immer mehr Leute einen gesunden Lebensstil anstreben“, freut sich Rončević, der den Hobby-Athleten wertvolle Tipps geben wird und sich zu seinen Anfangszeiten ein solches professionelles Programm gewünscht hätte: „Das wünscht man sich eigentlich in jeder Sportart. Für Challenges sind die Leute immer zu motivieren, vor allem, wenn es da noch etwas zu gewinnen gibt. Und wenn es dann auch noch etwas in Kombination für die eigene Fitness und Gesundheit ist, glaube ich, ist es ein Selbstläufer.“

Stroschneider träumt von den Top Ten
Neben Rončević reist auch Tanja Stroschneider voller Vorfreude nach Hamburg. Die frischgebackene Adidas-Athletin hatte im vergangenen Jahr die Qualifikation für das Elite-Rennen denkbar knapp verpasst. Diesmal steht die ehemalige Triathletin selbst unter den besten 15 Athletinnen an der Startlinie. „In die Top Ten zu kommen, wäre sicher schon ein Erfolg“, sagt sie über ihr Rennziel. Nach intensiven Trainingsmonaten fühlt sie sich bereit für den nächsten Schritt. Bereits bei ihrem Saisonauftakt in Athen gelang ihr mit 1:00:49 Stunden eine persönliche Bestzeit.

1.000 Meter Rudern: Die erste und einzige Station im Sitzen. Heißt: Es ist die einzige Station, ...
1.000 Meter Rudern: Die erste und einzige Station im Sitzen. Heißt: Es ist die einzige Station, bei der man sich etwas erholen kann.(Bild: zVg.)

Die magische Stundenmarke soll fallen
Für die gesamte Saison hat die 36-jährige Wienerin ein noch größeres Ziel: Erstmals möchte sie die magische Stundenmarke unterbieten. „Im Prinzip kann man langsam sagen, Sub Sixty bei den Frauen in der Elite ist ein Muss“, betont sie und sieht vor allem beim Laufen noch viel Potenzial.

Doch damit nicht genug. Spätestens bei den späteren Elite-Rennen in Bangkok, Las Vegas oder Lyon will sie Zeiten unter 59 Minuten erreichen. „Damit ich ein WM-Ticket holen kann“, ist das freilich ihr größter Antrieb. 

Dass sie mittlerweile zu den besten 15 Athletinnen der Welt gehört, bedeutet ihr viel. Im Triathlon war ihre beste Weltranglistenplatzierung einst Rang 71. „Jetzt habe ich einen Sport, in dem ich ganz vorne mitspielen kann“, sagt Stroschneider. Vor allem hat sie ihre Freude am Wettkampf wiedergefunden. „Im Triathlon habe ich den Spaß und die Freude komplett verloren. Trainiert habe ich gerne, aber am Wettkampftag habe ich mich immer gefühlt, als würde ich zu meiner Hinrichtung gehen. Das habe ich jetzt nicht mehr. Diese Freude will ich mir beibehalten.“

„Das habe ich noch nie erlebt“
Auch Stroschneider möchte künftig bei der „Red Bull Road to HYROX“ ihre Erfahrung an Hobbysportler weitergeben. „Was ich so genieße, ist die Community und der Zusammenhalt“, sagt die Elite-Athletin. „Die Energie, die ich in Wien (beim Rennen im Februar 2026, Anm.) bekommen habe, habe ich noch nie in so extremer Form erlebt. Das hat mir so viel gegeben, dass ich mich wirklich einbringen möchte.“

Ekel-Eklat sorgt für Aufsehen
Dass der enorme Aufstieg der Sportart nicht ausschließlich positive Schlagzeilen mit sich bringt, zeigte zuletzt der umstrittene Auftritt von Joanna Wietrzyk in Peking. Die australische Elite-Athletin setzte ihr Rennen trotz massiver Magen-Darm-Probleme fort und gewann. Bilder des Vorfalls verbreiteten sich weltweit, HYROX reagierte mit Regelanpassungen.

Stroschneider kritisiert den Umgang mit der Situation, warnt aber davor, alle Elite-Athleten über einen Kamm zu scheren. „Eine einzige Aktion macht nicht den ganzen Menschen aus und auch nicht seinen Charakter“, betont sie. Wichtig sei, „dass wir von der Welt weiterhin als seriöser Sport wahrgenommen werden“.

Rončević sieht den Vorfall gelassener. „Schlechte Werbung ist auch Werbung, aber in meiner Bubble redet da keiner mehr darüber.“ HYROX mache genügend richtig, die Rennen seien weiterhin ausverkauft. „So schlecht hat es dem Sport nicht getan.“

Rončević verzichtet auf die Doubles
Die neue Saison bringt für Rončević auch eine Veränderung mit sich. Nach seinem WM-Triumph im Doppel mit Tim Wenisch konzentriert sich der Wiener künftig auf die Einzelbewerbe. Hintergrund sind unter anderem die neuen Nationalitätsregeln für Elite-Doubles: Die beiden Partner müssen dieselbe Staatsangehörigkeit besitzen, um gemeinsam in der Elite-Serie antreten zu können. Rončević ist Österreicher, Wenisch Deutscher. „Mein Körper wird es mir danken“, scherzt er. Die Doppelrennen unmittelbar nach einem Einzelstart seien körperlich stets besonders belastend gewesen.

Und obwohl Rončević gerne wieder ganz oben stehen würde, setzt er inzwischen auch andere Prioritäten: „Sicher würde ich gerne Weltmeister werden und alle Elite-Rennen gewinnen.“ Über die gesamte Saison sei ihm aber wichtiger, fit zu bleiben, Freude am Training zu haben und sich weiterhin mit den Besten messen zu können.

Auf Olympia-Kurs
HYROX entwickelt sich rasant und hat am Mittwoch einen weiteren Meilenstein erreicht: Gemeinsam mit dem internationalen Triathlon-Verband World Triathlon wurde eine strategische Partnerschaft vereinbart. Unter dem Namen „Hybrid Racing“ wird die Kombination aus Laufen und funktionellem Krafttraining als Disziplin unter dem Dach des Verbandes anerkannt.Drei Wettkampfformate sind geplant: Ultimate, Fast und Ultra. HYROX soll dabei die offiziellen Elite-Meisterschaften im bisherigen Rennformat ausrichten. Das langfristige Ziel ist die Aufnahme ins olympische und paralympische Programm. Brisbane 2032 wird als mögliche Perspektive diskutiert, eine Zulassung ist aber noch nicht beschlossen.

Ob Rončević und Stroschneider eines Tages selbst um olympische Medaillen kämpfen können, wird sich zeigen. Bis dahin wollen die beiden aber noch zahlreiche weitere Erfolge einfahren - und am liebsten gleich in Hamburg damit anfangen …

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