Rot-Weißes Urgestein

Fußballmärchen & ein besonderer Moment mit Buffon

Fußball International
30.10.2026 05:41

Über zwölf Jahre schnürt Fabian Tait schon seine Fußballschuhe für den FC Südtirol. Mit dem Verein ist der Mittelfeldspieler bis in die Serie B aufgestiegen und hat sogar schon am Aufstieg in die Serie A gekratzt. Mit sportkrone.at hat der Südtiroler über „seinen“ FCS, die Zeit nach der Profi-Karriere und jenen Spieler, gegen den er gerne noch spielen würde, gesprochen.

sportkrone.at: Fabian, du giltst für viele als die Identifikationsfigur des FC Südtirol. Hast du 2014 schon geahnt, dass du zwölf Jahre später Rekordspieler deines Vereins bist und sogar schon vom Aufstieg in die Serie A träumen durftest?

Fabian Tait: Davon geträumt habe ich, geahnt sicherlich nicht (lacht).  Als ich 2014 gekommen bin, war das noch eine ganz andere Welt. Wo jetzt unser modernes FCS-Center steht, war damals nur ein Platz, ein Baum und eine alte Hütte. Seither hat sich viel entwickelt und ich mich mit dem Klub.

Von welchen Entwicklungen sprechen wir da?
Einerseits die Infrastruktur: Das Stadion neu, das Trainingszentrum neu. Aber vor allem haben wir das Projekt Serie B erfolgreich in die Tat umgesetzt. Das war ein hartes Stück Arbeit, denn die dritte Liga in Italien ist äußerst umkämpft. Dass wir nun schon fünf Jahre in der zweithöchsten Klasse spielen, ist eigentlich unglaublich. Nach dem ersten Jahr in der Serie B haben wir es sogar fast geschafft, in die Serie A aufzusteigen, weil wir eine unglaubliche Saison gespielt haben. Am meisten hat mir in den Jahren aber gefallen, wie sich die Situation mit den Fans entwickelt hat.

Fabian Tait
Fabian Tait(Bild: Giacomelli Andrea)

Und zwar?
Noch in der Serie C hatten wir meist noch unter 100 Zuschauer im Stadion. Doch seit dem Aufstieg haben wir immer mehr Fans erreicht. Und so etwas inspiriert auch die Spieler. Wenn wir mittlerweile vor 5000 Heimfans spielen und man merkt, wie das Team bei immer mehr Menschen an Bedeutung gewinnt, ist das ein gutes Gefühl. Wir sind natürlich noch nicht dort, wo Traditionsvereine wie Bari oder Palermo sind, aber wir sind auf einem guten Weg der Entwicklung für einen relativ jungen Klub. 

Südtirol ist ja in einer besonderen Situation. Vereint man mittlerweile auch die Fans aller drei Sprachgruppen?
Ja, diesen Eindruck habe ich auf jeden Fall und das spüre ich auch jedes Mal, wenn ich nach einem Spiel aus dem Stadion gehe. Da trifft man auf Fans, die Deutsch mit dir sprechen, dann gleich welche, mit denen man Italienisch spricht. Das freut mich sehr. Es zeigt mir, dass wir hier als Klub alle zusammenstehen. Wir jubeln zusammen, zittern zusammen und helfen uns zusammen. 

Wie groß war für dich der fußballerische Unterschied zwischen der dritten Liga und der Serie B? 
Die Serie B ist eine ganz andere Welt. Du spielst plötzlich gegen Teams mit großen Budgets und mit beeindruckender Geschichte. Gegen ehemalige Teams aus der Serie A – Klubs, die einst Meister geworden sind oder die Europa League gewonnen haben. Palermo, Parma, Sampdoria – das sind Vereine mit großen Namen, die ich als Kind im TV gesehen habe. Plötzlich trete ich am Platz gegen sie an. Und da gerade im ersten Jahr als Underdog der Liga anzutreten, wo uns alle als Fixabsteiger auf dem Zettel hatte. Das hat uns enorm motiviert und zu Höchstleistungen angestachelt. Wir haben uns in der Kabine angeschaut und gesagt: „Wir haben gemeinsam so hart gekämpft, um in dieser Liga zu sein. Jetzt erst recht. Denen zeigen wir, wer der Fixabsteiger ist!“ Am Ende sind wir erst im Halbfinale der Playoffs gegen Bari am Aufstieg in die Serie A gescheitert. Dieses Spiel in Bari vor 60.000 Zuschauern – jeder einzelne Moment dieses Tages hat sich eingebrannt. Ich werde da nie vergessen – diese Emotionen waren unbeschreiblich.

In der vergangenen Saison ging es wiederum gegen Bari. Dieses Mal gegen den Abstieg und der FC Südtirol konnte die Klasse halten ...
Ich finde, dass auch das, was wir da großes geleistet haben. Wir können nicht von dieser Mannschaft immer verlangen, um den Aufstieg zu spielen. Doch im entscheidenden Moment waren wir da und haben zu Recht die Klasse gehalten und dann gab es im Sommer einen großen Umbruch. Viele verdiente, routinierte Spieler haben den Verein verlassen. Aber so ist das im Profifußball und wir sind gut in die neue Saison gestartet.

Fabian Tait hat „sportkrone.at“ ein ausführliches Interview gegeben.
Fabian Tait hat „sportkrone.at“ ein ausführliches Interview gegeben.(Bild: krone.at)

Welche Ziele hat man sich gesetzt? Schneller Klassenerhalt oder doch ein Auge in Richtung Serie A?
Die Serie B ist eine sehr schwierige Meisterschaft. Der Fokus liegt immer darauf, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu fixieren. Denn es gibt viele gute Teams und es kann immer alles passieren. Wenn man dann sicher ist, darf man sich neue Ziele setzen und zu träumen beginnen. 

Du gehörst jetzt mit 33 Jahren zu den Routiniers im Team und planst, wie man hört, langsam auch deine Karriere nach dem Leben als Profi-Fußballer. Dem Verein möchtest du aber auch da treu bleiben?
Im Februar werde ich 34, da fängt man sich natürlich an Gedanken zu machen. Teil der FCS-Familie, wie ich sie nenne – denn der Verein ist zu einer Art von Familie für mich geworden – würde mich sehr freuen. Wie genau dieses Engagement dann konkret ausschauen würde, das muss sich dann erst entscheiden, aber es ist schon mein Ziel dem Verein verbunden zu bleiben. Denn ich will dabei Helfen, die gute Entwicklung weiterzubringen.

Vorerst hilfst du dabei ja noch auf dem Platz. Welche Ziele hast du dir für deine Karriere als Kicker noch gesetzt?
Als Sportler muss man immer Ziele haben, sonst muss man aufhören. Ich bin Kapitän, habe über 400 Spiele für meinen Verein gemacht und liebe meinen Klub. Egal, was noch passiert persönlich habe ich alles gegeben und vieles erreicht, von dem ich einst nicht zu träumen gewagt habe. Am wichtigsten ist mir deshalb einfach der Erfolg des Teams – wenn wir den Klassenerhalt frühzeitig schaffen, auch wenn ich kaum spiele, dann ist für mich das, das wichtigste Ziel und die schönste Belohnung.

Fabian Tait und Gianluigi Buffon
Fabian Tait und Gianluigi Buffon(Bild: @ www.tschager-foto.com)

Du hast in deiner Karriere gegen einige große Spieler gespielt, man denke nur an Cesc Fabregas bei Como. Und auch mit vielen talentierten Spielern zusammen. Wer hat dich als Mitspieler besonders geprägt und wer als Gegenspieler fasziniert?
Hui (lacht) – das mit den Mitspielern ist echt schwierig. Aber wenn ich mich entscheiden muss, würde ich sagen Daniele Casiraghi, aufgrund seiner ganzen wichtigen Tore. Aber es waren so viele tolle Kicker, die mich in meiner Karriere begleitet haben. Dass viele von ihnen mir auch viele Jahre nach der gemeinsamen Zeit zu meinem 400 Spiel gratuliert haben, hat mir viel bedeutet.

Bei den Gegenspielern sicher eben Cesc Fabregas, der in Como, damals am Ende seiner Profikarriere noch im Einsatz war. Eine besondere Ehre war, dass ich damals als Kapitän mit Gianluigi Buffon die Vereinswappen tauschen und gegen ihn spielen durfte. Aber es gab viele starke, beeindruckende Gegenspieler. Und auch bei den Trainern waren viele Legenden dabei – Weltmeister wie Cannavaro, De Rossi oder Gilardino. Spieler, die man als Kind im TV bewundert hat – und dann stehe ich plötzlich hier, der Bub aus Salurn und trete gegen sie an. Das ist auch heute noch etwas Spezielles für mich. 

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