22.09.2021 13:54 |

Versicherer-Studie

Darum haben Elektroautos höhere Reparaturkosten

Gerne wird darüber diskutiert und gemutmaßt, welche Art Auto nach dem Kauf wohl am teuersten ist - Verbrenner oder Elektroautos. Ein Versicherungskonzern hat nun in einer Studie erhoben, wie sich die Kosten für die Reparatur von Schäden verteilen.

Elektroautos sind laut einer Untersuchung der Allianz-Versicherung nach Unfällen erheblich teurer zu reparieren als herkömmliche Autos. Demnach liegt in der Vollkasko-Versicherung der durchschnittliche Schadensaufwand bei reinen Elektroautos um zehn Prozent höher, bei Plug-in-Hybriden sogar um 50 Prozent. Insbesondere der Wechsel der teuren Akkus schlägt stark zu Buche.

Für die Untersuchung wurden Schadendaten aus den Jahren 2018 bis 2020 ausgewertet.

Im Vergleich sehr viel teurere Folgen haben demnach insbesondere Unfälle: „Wir liegen etwa 30 Prozent höher beim Elektrofahrzeug in der Reparatur von Kollisionsschäden“, sagte Carsten Reinkemeyer, Leiter der Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik.

Anlass der Untersuchung sind die schnell steigenden Zahlen von Elektroautos auf den Straßen. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland nach Zahlen des Kraftfahrzeug-Bundesamts gut 312.000 reine Elektroautos sowie Plug-in-Hybride neu zugelassen. In Österreich waren es laut Statistik Austria 15.347 Elektroautos und 7940 Plug-in-Hybride.

Zu den höheren Reparaturkosten trägt bei, dass Akkus viel Geld kosten - „bis zu 20.000 Euro“, so Allianz-Vorstand Frank Sommerfeld. So bedeuten Unterbodenschäden bei Elektroautos eine Beschädigung der Batterie.

Batterietausch nach Airbag-Auslösung
Doch eine Rolle spielen auch Sicherheitsvorschriften und Herstellervorgaben. „Es gibt Sachen, die beim konventionellen Fahrzeug so nicht stattfinden“, sagte Reinkemeyer. So dürften „Arbeiten am Hochvoltfahrzeug“ nur in qualifizierten Werkstätten stattfinden. Manche Hersteller gäben zwingend vor, dass die Batterie nach einer Airbag-Auslösung ausgetauscht werden muss.

Marderbisse können ebenfalls sehr ins Geld gehen: Denn angebissene Hochvoltkabel müssten ebenfalls ausgetauscht werden. Ein Kabelsatz könne bis zu 7000 Euro kosten. Dabei haben nach Angaben des Sicherheitsforschers manche Autohersteller eine günstige Methode gefunden, um derart teuren Reparaturkosten vorzubeugen: Schutzhüllen für die Kabel. Folge der hohen Reparaturkosten ist, dass sowohl reine Elektroautos als auch Plug-in-Hybride im Schnitt etwas teurer zu versichern sind als herkömmliche Autos.

E-Autos sind nicht pannenträchtiger
E-Auto-Besitzer müssen sich allerdings keine Sorgen machen, dass ihre Fahrzeuge grundsätzlich pannenträchtiger wären als Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Die häufigste Pannenursache kennt quasi jeder Autofahrer - das Fahrzeug springt nicht an: „Man glaubt es kaum, aber auch Elektrofahrzeuge brauchen eine normale Starterbatterie wie Verbrennerfahrzeuge“, sagte James Wallner, Vorstandschef der ADAC-Autoversicherung.

Schlagzeilen gab es in den vergangenen Jahren mehrfach wegen brennender Elektroautos. Doch E-Fahrzeuge gehen laut Allianz nicht häufiger in Flammen auf als herkömmlich motorisierte Autos: „Wir erkennen im Moment keine höhere Brandwahrscheinlichkeit als bei Benzinern“, so Reinkemeyer.

Deutschlandweit brennen demnach im jährlichen Schnitt etwa 15.000 Autos, darunter nur eine zweistellige Zahl elektrischer Fahrzeuge. In aller Regel können brennende E-Autos gelöscht werden, bevor auch der Akku in Flammen aufgeht. „Diese Brände verlaufen so, wie wir das kennen von Fahrzeugbränden“, sagte Karsten Göwecke, Vizechef der Berliner Feuerwehr. Allerdings dauert laut dem Autoindustrieverband VDA das Löschen länger und der Löschmittelbedarf ist in der Regel höher.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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