13.02.2021 19:23 |

Verband schlägt Alarm

Elektroautos: Was kommt nach der letzten Fahrt?

Das Thema Batterieentsorgung bei Elektroautos ist im Moment noch kein allzu großes, so scheint es, denn noch sind die Stückzahlen überschaubar. Doch Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge verzeichnen enorme Wachstumsraten. Jetzt schlägt der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) Alarm, Entsorgung und Recycling seien nicht ausreichend geregelt.

Der Unfall mit einem Tesla in Tirol im Oktober 2019 sorgte für Schlagzeilen, der Wagen war nach einem Unfall in Flammen aufgegangen, danach wollte wochenlang niemand das Wrack übernehmen. Zu gefährlich, keine Lizenz usw.

„Übergangslösung reicht nicht“
Wie werden nun elektrobetriebene Fahrzeuge sicher und fachmännisch entsorgt und recycelt? Und zwar nicht nur nach einem Unfall, sondern ganz allgemein? Anfang 2020 wurde mit den betroffenen Herstellern und Importeuren vereinbart, dass von den österreichischen Schredderbetrieben Elektro-Altfahrzeuge nur ohne Antriebsbatterie übernommen werden. Experten in Fachwerkstätten entfernen nun die Batterie und die „leeren“ Altfahrzeuge werden zur weiteren Verwertung an die Schredderbetriebe übergeben.

Diese Übergangslösung reicht aber angesichts der steigenden Verkaufszahlen von E-Fahrzeugen und Hybridfahrzeugen nicht aus, warnt der VOEB-Präsidentin Gaby Jüly. Vergangenes Jahr hatte rund jedes fünfte in Österreich zugelassene Fahrzeug bereits einen Elektro- bzw. Hybrid-Antrieb. „Wir müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen dringend anpassen. Sowohl der Umgang mit alten als auch verunglückten Elektroautos sowie das Recycling der Batterie müssen einheitlichen Bestimmungen unterliegen, die langfristig Sinn ergeben und EU-weit gültig sind.“

Batterie-Verordnung der EU wird novelliert
Auf europäischer Ebene wird gerade an einer Novellierung der Batterie-Verordnung gearbeitet. Sie soll auch den Umgang mit Batterien von Elektro-Fahrzeugen regeln. Deren Antriebsbatterien sollten nach Ansicht des VOEB in Zukunft wie Fahrzeuge typisiert werden und die Herkunft der einzelnen Bestandteile zertifiziert werden. So sollte jede einzelne Batterie von der Produktion bis hin zur Entsorgung erfasst und somit eine hundertprozentige Sammelquote erreicht werden. Ein weiteres Ziel ist es, beim Recycling der Batterie eine Verwertungsquote von 65 Prozent der Bestandteile zu erreichen. Es sollen bis 2030mindestens 12% recyceltes Kobalt, 85% Blei, 4% Lithium und 4% Nickel eingesetzt werden.

Wohin mit der Batterie?
Die Batterie eines rein elektrisch betriebenen Fahrzeuges kann mehr als eine halbe Tonne wiegen. Die Entnahme einer solchen Batterie ist somit kein Kinderspiel - nicht nur aufgrund des Gewichts, sondern weil ihre zumeist 400 oder gar 800 Volt lebensgefährlich sind. Die Entnahme der Batterie bei Hybridfahrzeugen gestaltet sich etwas einfacher, mit höchstens 60 Volt und 50 kg können das ein bis zwei Personen gemeinsam schaffen, erklärt der VOEB. Nach der Entnahme werden die Batterien von E-Fahrzeugen weiterverwertet, indem sie in einem sogenannten „Second Life“ als Stromspeicher im stationären Bereich zum Einsatz kommen. Ist das nicht der Fall, können in Batterien enthaltene Rohstoffe, wie Lithium, Kobalt, Nickel rückgewonnen und als Sekundärrohstoffe in weiteren Herstellungsprozessen eingesetzt werden.

Im Fall des verunfallten Tesla in Tirol hat sich übrigens gezeigt, dass es gar nicht das Batteriemodul war, das gebrannt hat. Und es hätte alles nicht so kompliziert sein müssen, wenn sich alle Beteiligten ausgekannt hätten. Doch auch bei Tesla selbst war man offenbar nicht in der Lage, zeitgerecht zu helfen. Und die eigentlich zuständige Tesla-Partnerfirma hatte keine Zertifizierung. Letztlich übernahm die Firma Seda Umwelttechnik den Akku, die eigene Lagerboxen für solche Akkus entwickelt hat.

Auch etwas, das sich ändern muss, mahnt ARGE-Shredder-Sprecher Walter Kletzmayr: „Seitens der Wirtschaft gibt es bereits einige Initiativen in diese Richtung, die jedoch gebündelt werden müssen. Nur so können wir die aktuelle Ausbildungslücke EU-weit schließen und einheitliche Standards für eine fachmännische, sichere und nachhaltige Entsorgung von Elektro-Altfahrzeugen schaffen.“

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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