19.09.2021 15:00 |

Am Kaiser und Glockner

Alpinisten mussten Nacht am Berg verbringen

Zwei Großeinsätze, die von Samstagabend bis Sonntagmorgen andauerten, hielten Tirols Bergretter auf Trab! Im Kaisergebirge verletzten sich zwei deutsche Alpinistinnen im Alter von 34 und 35 Jahren. Sie setzten einen Notruf ab, mussten aber aufgrund der Dunkelheit bis Sonntagmorgen auf ihre Rettung warten. Mit Daunenkleidung und Rettungsdecken waren sie für die Nacht jedoch gut gerüstet. Am Großglockner wurde vier tschechischen Alpinisten (26, 27, 28 und 31 Jahre alt) der „Stüdlgrat“ beim Abstieg zum Verhängnis. Während zwei von ihnen noch am Samstag mit dem Hubschrauber geborgen werden konnten, mussten die beiden anderen über Nacht ausharren. Aufgestiegene Bergretter kümmerten sich aber um sie.

Über den sogenannten Jubiläumsweg 2000 wollten die zwei deutschen Alpinistinnen die Treffauer Ostwand im Kaisergebirge besteigen. Die 17 Seillängen der Klettertour (Schwierigkeitsgrad UIAA 6-, E3) wurden alle von der 34-Jährigen vorgestiegen. „Etwa gegen 17 Uhr brach in der zwölften Seillänge der Nachsteigerin eine Felsschuppe aus. Die 35-Jährige stürzte rund sechs Meter ins Seil und zog sich dabei Prellungen am linken Knie zu“, heißt es von der Polizei.

Aufstieg trotz Verletzungen fortgesetzt
Trotz dieses Vorfalles setzten die beiden Frauen ihren Aufstieg fort. Kurz vor 20 Uhr erreichten sie dann den Ostgipfel des Treffauer (2233 Meter). Dann das nächste Unglück: „Am Weg zum Treffauer Hauptgipfel (2304 Meter) brach der 34-Jährigen ein Griff aus, sie stürzte daraufhin ins Seil, konnte jedoch von der Seilpartnerin gehalten werden. Die 34-Jährige zog sich dabei aber Prellungen und Abschürfungen an der Hüfte und am Oberschenkel zu.“

Notruf abgesetzt
Wegen der Verletzungen und der eintretenden Dämmerung setzten die Deutschen in der Folge einen Alpinnotruf ab. Der Notarzthubschrauber „C4“ flog zum Treffauer, konnte die Bergung aber wegen der Dämmerung und der aufziehenden Nebelschwaden nicht mehr durchführen. Da eine terrestrische Bergung im brüchigen Gelände in der Dunkelheit zu gefährlich gewesen wäre und die beiden Alpinistinnen gut ausgerüstet waren - sie hatten Daunenkleidung und Rettungsdecken dabei -, wurde mit ihnen vereinbart, dass sie die Nacht im Bereich des Ostgipfels verbringen sollen und ihre Bergung dann am Sonntag erfolgen wird.

Mit „Libelle“ geborgen
In der Nacht wurde durch die Einsatzkräfte mehrmals telefonisch Kontakt mit den beiden Alpinistinnen aufgenommen. Die Bergung der beiden Frauen erfolgte schließlich am Sonntag gegen 6 Uhr durch den Polizeihubschrauber „Libelle“ Tirol mittels Tau. In Scheffau wurden die beiden leicht verletzten und etwas unterkühlten Alpinistinnen vom Bergrettungsarzt versorgt.

Im Anschluss daran konnten sie eigenständig die Heimreise antreten.

„Stüdlgrat“ wurde Gruppe am Großglockner zum Verhängnis
Der zweite Großeinsatz fand am Großglockner statt. Dessen Gipfel erklommen vier tschechische Alpinisten (26, 27, 28 und 31 Jahre alt) über den Normalweg. Da ihnen dort dann zu viel Frequenz herrschte, entschlossen sie sich, über den Stüdlgrat abzusteigen bzw. abzuseilen. „Im Abstieg kam die Gruppe wegen des Schnees und der vereisten Bereiche auf der Westseite des Grates im Bereich des sogenannten ,Jögental‘ auf ca. 3600 Meter Seehöhe nicht mehr weiter und setzte gegen 19.30 Uhr einen Alpinnotruf ab“, so die Polizei.

Bergung wegen Dunkelheit unterbrochen
Die Besatzung des Notarzthubschraubers „C7“ konnte die Bergsteiger gegen 19.50 Uhr am Grat lokalisieren. Mithilfe einer Taubergung konnten noch vor Einbruch völliger Dunkelheit zwei der vier Bergsteiger geborgen und zur Stüdlhütte ausgeflogen werden. Ein weiterer Anflug zum Grat war anschließend wegen der Dunkelheit jedoch nicht mehr möglich. Mit den beiden am Grat verbliebenen Bergsteigern wurde telefonisch Kontakt aufgenommen, um den Allgemeinzustand bzw. die mitgeführte Ausrüstung abzuklären.

Bergetrupp zusammengestellt
Da die beiden Alpinisten anführten, sie seien unterkühlt und würden die Nacht nur schwer überstehen, wurde durch den Einsatzleiter der Bergrettung Kals, der gleichzeitig auch Hüttenwirt der Erzherzog Johann Hütte ist, eine Einsatzmannschaft - bestehend aus ihm selbst und drei weiteren Bergführern - zusammengestellt. Dieser Bergetrupp stieg um 20.30 Uhr von der Erzherzog Johann Hütte in Richtung Gipfel des Großglockners auf und in weiterer Folge über den Stüdlgrat zu den beiden Bergsteigern.

Mit Wärmepads und Getränken versorgt
Gegen 22.30 Uhr erreichten die Bergretter die beiden Tschechen und versorgten sie mit Wärme-Pads und heißen Getränken. Anschließend stieg der Bergetrupp mit den beiden Tschechen wieder zum Gipfel des Großglockners auf und in der Folge über den Normalweg zur Erzherzog Johann Hütte ab. Die erreichten sie dann gegen 1 Uhr. Die beiden Alpinisten waren stark erschöpft und leicht unterkühlt, ansonsten aber unverletzt. Sie wurden am Sonntag mit dem Polizeihubschrauber ins Tal geflogen.

Ein selbständiger Abstieg wäre für die beiden Alpinisten wegen der fehlenden Gletscherausrüstung nicht gefahrlos möglich gewesen.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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