Afghanistan-Krieg
US-Truppen töten “versehentlich” Karzai-Cousin
US-Sondereinsatzkräfte seien in der Nacht auf Donnerstag mit Hubschraubern in den Distrikt eingedrungen, sagte Gouverneur Hamdullah Nasek. Der jüngere Bruder des Präsidenten und Chef des Provinzrats von Kandahar, Ahmad Wali Karzai, bestätigte den Vorfall und erklärte, sein Verwandter sei "irrtümlicherweise" getötet worden. Ahmad Wali selbst wird übrigens in den von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlichten diplomatischen US-Depeschen wiederholt als "reichlich korrupt und in den Drogenhandel verstrickt" beschrieben.
Erschossen deutsche Soldaten Zivilistin?
Indes sorgt auch ein tödlicher Vorfall in der Provinz Kunduz für Aufregung. Die Polizei erhebt schwere Vorwürfe gegen die deutsche Bundeswehr. Der Polizeichef des Distrikts Khar Darah, Gulam Mahidin, sagte am Donnerstag, deutsche Soldaten hätten am Mittwoch eine Frau erschossen. "Deutsche Soldaten, die in der Durman-Gegend im Distrikt Khar Darah patrouillierten, eröffneten das Feuer. In weiterer Folge wurde eine afghanische Frau erschossen und eine weitere verletzt." Die deutschen Soldaten hätten einen "Fehler" gemacht, erklärte Mahidin.
Ein Bundeswehr-Sprecher in Kunduz sagte, der Fall werde "mit Hochdruck" untersucht. Es sei aber noch keinesfalls erwiesen, dass die Zivilistin von deutschen Soldaten erschossen worden sei. Eine Patrouille sei in der Gegend unter anderem mit Panzerfäusten beschossen worden und habe das Feuer erwidert. Später sei einer zweiten Patrouille rund 1.400 Meter vom Angriffsort entfernt eine Frau mit einer Kopfverletzung übergeben worden. Dabei habe es sich aber nicht um eine Schussverletzung gehandelt. Die Frau sei sofort von einer deutschen Ärztin behandelt und dann ins Feldlazarett im Camp gebracht worden, sagte der Sprecher. Dort sei sie an ihrer schweren Verletzung gestorben.
Neun Kinder bei einem US-Luftangriff getötet
Zivile Opfer bei Militäroperationen sorgen bei der afghanischen Regierung und der Bevölkerung für großen Unmut. Zuletzt führte der Tod von neun Kindern bei einem US-Luftangriff zu schweren Verstimmungen zwischen Kabul und Washington. US-Verteidigungsminister Robert Gates entschuldigte sich am Montag in der Hauptstadt Kabul im Beisein von Präsident Karzai persönlich für den Tod der Kinder. Karzai forderte erneut: "Die zivilen Opfer müssen aufhören."
Petraeus sieht klare Fortschritte in Afghanistan
Der Kommandant der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General David Petraeus, sieht trotz der täglichen Dramen klare Fortschritte im Afghanistan-Krieg. US- und NATO-Streitkräfte hätten nicht nur im Süden des Landes Erfolge gegen die radikalislamischen Taliban erzielt, sondern auch rund um Kabul, sagte er der "New York Times" vom Mittwoch. "Der Vorwärtsdrang der Taliban ist in vielen Teilen des Landes zum Stillstand gekommen." In einigen wichtigen Gegenden seien sie zurückgedrängt worden.
Seit Petraeus vor acht Monaten das Kommando über die alliierten Truppen in Afghanistan übernahm, hat sich der Zeitung zufolge das Tempo der Operationen enorm erhöht. In den drei Monaten vor dem 4. März habe es mehr als 1.600 Einsätze gegeben, also im Schnitt 18 pro Nacht. Den Worten des Generals zufolge wurden dabei fast 3.000 militante Kämpfer getötet oder gefangengenommen. "Die Taliban standen noch nie unter dem Druck, den sie während der vergangenen acht oder zehn Monate erlebt haben", sagte Petraeus, der in der kommenden Woche zum ersten Mal, seit er das Kommando übernahm, vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen soll.
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