Für die ständig wachsende Schar an suomophilen Menschen war die Stadt Kuopio schon immer ein Begriff. Nicht weil dort ein orthodoxer Erzbischof und ein evangelisch-lutherischer Bischof sitzen, sondern weil die 120.000-Seelen-Gemeinde diverse Städtepartnerschaften unterhält, etwa zum franche-comtésischen Besançon oder zum westfälischen Castrop-Rauxel, wo ein ziemlich windschief stehendes Wegweiser-Ensemble auf einer Wüstenei namens Europaplatz beredtes Zeugnis davon ablegt. In der Liste bekannter Söhne der Stadt finden sich unendlich viele Skispringer wie Ari-Pekka Nikkola oder Janne Happonen und auch an Eishockey-Cracks wie Kasperi Kapanen oder Olli Jokinen herrscht kein Mangel. Nur die Meister des Rundleders sind dünn gesät, auch wenn mit Aulis Rytkönen, der 1952 einen Kontrakt bei Toulouse FC gegenzeichnete, der erste finnische Fußballprofi aus der Stadt aus Kallavesi kommt.
Das wird sich jetzt rasch ändern, denn mittlerweile ist der Tabellenzweite der Veikkausliiga, Kuopion Palloseura ry, dick im europäischen Geschäft, was er keinem Geringeren als UEFA-Boss Ceferin zu verdanken hat, der mit der Europa Conference League endlich einen dritten, längst überfälligen oder auch -flüssigen europäischen Kickwettbewerb eingeführt hat. Dort können die wackeren Finnen nun zusammen mit dem FC Paços de Ferreira, dem Cercle Sportif Fola Esch oder den Lincoln Red Imps magische Europapokalnächte herbeizaubern, sofern sie nach der Play-off-Runde die Gruppenphase erreichen. Und auch wenn die Mannen um Bismark Adjei-Boateng, Johannes Kreidl und Onuorah Uzochukwu gegen die Eisernen aus Berlin-Köpenick erst mal mit 0:4 den Kürzeren gezogen haben, bleibt die Hoffnung, dass auch dieses flotte Format seine eigenen Gesetze hat und beim Rückspiel an der Alten Försterei mit zwei Bischöfen im Rücken die Messe noch längst nicht gelesen ist.
Mittlerweile ist der Tabellenzweite der Veikkausliiga, Kuopion Palloseura ry, dick im europäischen Geschäft, was er keinem Geringeren als UEFA-Boss Ceferin zu verdanken hat, der mit der Europa Conference League endlich einen dritten, längst überfälligen oder auch -flüssigen europäischen Kickwettbewerb eingeführt hat
Harald Petermichl, "Krone"-Kolumnist
Auf Geheiß von Ceferin leeren nun also die Herrscher von Nyon in einem Anfall von Altruismus ihre Portokasse und lassen den 32 Clubs, die sich in der Gruppenphase wiederfinden, 235 Millionen Euro zukommen. 15 Millionen allein dem Konferenzsieger, was immerhin fast so viel ist, wie das Champions League-Startgeld, wo die Clubs, ohne auch nur einmal am Ball geschnuppert zu haben, 15,64 Millionen Euro kassieren. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Ceferins Bekenntnis „Der neue UEFA-Klub-Wettbewerb macht die Wettbewerbe inklusiver als jemals zuvor“ mitnichten eine Worthülse war. Dank Ceferin wissen wir endlich, was Inklusion tatsächlich bedeutet.
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