Nach Jahrzehnten als Leiter des „Projekttheaters“ bringt Dietmar Nigsch mit dem „Walserherbst“ seit 2004 regelmäßig hochwertige Kultur in sein schönes Heimattal.
Dass Dietmar einmal eine prägende Figur der Off-Theater-Szene werden und eines der spannendsten Vorarlberger Festivals ins Leben rufen sollte, war erst nicht abzusehen. Nach einer glücklichen Kindheit im Großen Walsertal („Als Kind kann es nicht Schöneres geben, als auf dem Land aufzuwachsen“), lernte er Kaufmann und war mit 17 Jahren in Thüringerberg der jüngste Filialleiter der Konsum-Genossenschaft im Ländle. Da ihn aber Umsatz und Kommerz eigentlich nicht sonderlich interessierten, wechselte er in die Jugendarbeit und kam so erstmals mit dem Theater in Kontakt. „Ich gründete mit Walter Hiller in Bludenz die ’Kulturfront 76’ - das war eine echte Provokation in der damals kulturell unterversorgten Stadt“, erinnert sich Dietmar, der übrigens bereits als Achtjähriger mit Walser Gedichten bei „Autofahrer Unterwegs“ seinen ersten Auftritt hatte.
Im Laufe der Jahre sollte die große Bühne zu seiner Welt werden: Als Autodidakt lernte er das Theaterleben von Grund auf kennen, gründete in Wien erst das „Kellertheater Spielraum“ und 1988 schließlich das „Projekttheater“. Das Ensemble, bei welchem neben Dietmar die wunderbaren Maria Hofstätter und Martina Spitzer sowie Regisseurin Susanne Lietzow das Kernteam bildeten, feierte zahllose Erfolge, erhielt unter anderem den begehrten Nestroy-Preis und etablierte am Rande gleich zwei Vorarlberger Kulturstätten. „Gemeinsam mit Herwig Bauer und Brigitte Walk sorgten wir dafür, dass das Alte Hallenbad nicht abgerissen und die Johanniterkirche aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde - zwei Kulturräume, die heute in Feldkirch nicht mehr wegzudenken sind.“
Das Erfolgsformat Walserherbst
Nicht mehr wegzudenken ist in Vorarlberg mittlerweile auch der „Walserherbst“, der von Dietmar mit Sieglinde Müller entwickelt wurde und bei dem sich seit 2004 Tradition und Kultur wie bei kaum einem anderen Event gegenseitig befruchten. „Ich glaube, wenn wir unsere Wurzeln, das Traditionelle, nicht kennen, sind wir nicht fähig, Neues und Ungewohntes zu verstehen und anzunehmen“, ist der jung gebliebene 70-Jährige überzeugt.
Und so ist nur selbstverständlich, dass auch beim heurigen Walserherbst (20. August bis 12. September) ein buntes Programm geboten wird - die Palette reicht von Tanzperformances über Kirchenkonzerte bis hin zu Fotoausstellungen, Discoabenden und Diskursformaten. Dietmars Vielseitigkeit und geistige Agilität mag auch mit seiner Leidenschaft für das Reisen in Verbindung stehen: „Da halt ich es ganz mit Alexander von Humboldt: Die gefährlichsten Weltanschauungen sind die Weltanschauungen der Leute, die noch nie die Welt angeschaut haben“. Eine gute Anschauung...
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