An Herzversagen

Türkischer Ex-Premier Erbakan gestorben

Ausland
27.02.2011 19:14
Der frühere islamistische türkische Regierungschef Necmettin Erbakan ist tot. Erbakan sei am Sonntag im Alter von 84 Jahren an Herzversagen gestorben, sagte einer seiner Angehörigen dem türkischen Sender NTV: "Die Türkei hat eine ihrer größten Persönlichkeiten verloren."

Erbakan, der Mitte der 1990er-Jahre an die Macht kam, war nach Angaben des Senders Anfang Jänner wegen einer Infektion im Krankenhaus behandelt worden. Ein Arzt eines Krankenhauses in Ankara, der Erbakan seitdem betreute, bestätigte seinen Tod.

Mentor von Recep Erdogan
Erbakan galt auch als Mentor des derzeitigen türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser würdigte Erbakans "hartnäckigen Charakter" und seine Prinzipien sowie seine Leistungen als Lehrender. Erbakan war 1996 an der Spitze einer Koalitionsregierung der erste islamistische Ministerpräsident der Türkei geworden. Im Juni 1997 wurde er von der Armee aus dem Amt gedrängt. Seine islamistische Wohlfahrtspartei (RP) wurde im Jänner 1998 verboten, Erdogan gründete darauf die heutige Regierungspartei AKP.

Erbakan versuchte, durch die Gründung der Tugendpartei politisch wieder Fuß zu fassen. Als das Verfassungsgericht auch diese Partei verbot, wurde als deren Nachfolgerin die Seligkeitspartei (Saadet) ins Leben gerufen, zu deren Vorsitzendem Erbakan gewählt wurde. Im Jahr 2002 wurde er wegen Veruntreuung von Parteigeldern zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, konnte die Vollstreckung des Urteils jedoch aus gesundheitlichen Gründen mehrmals aufschieben. Im August 2008 schließlich erließ Staatspräsident Abdullah Gül Erbakan den Rest seiner Strafe.

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