Die radikalislamischen Taliban haben seit dem fast abgeschlossenen Abzug der Truppen der USA und deren Verbündeter bereits mehr als die Hälfte aller Bezirke Afghanistans unter ihre Kontrolle gebracht, und sie rücken weiter vor. Zuletzt nahmen sie etwa den Flughafen der symbolisch wichtigen Stadt Kandahar unter Raketenbeschuss. Die Landebahn wurde zerstört, alle Flüge gecancelt. Ein wichtiger Sieg für die Steinzeit-Islamisten, kommt dem Flughafen doch eine wichtige strategische Bedeutung zu.
Noch viel bedeutender freilich ist der internationale Flughafen der Hauptstadt Kabul. Er ist das Tor nach und aus Afghanistan. Bestünde Gefahr, dass der Flughafen in die Hände der Taliban fallen könnte, würden wohl als Erstes und eiligst die noch in Kabul verbliebenen Diplomaten aus den verschiedensten Ländern abgezogen. Sonst könnten sie zu Geiseln der Islamisten werden.
Australien etwa hat seine Diplomaten aus Sicherheitsgründen bereits aus dem Land abgezogen. Je mehr Staaten nachziehen, desto finsterer würde es im übertragenen Sinn in Afghanistan, gäbe es doch bald keine unabhängigen Berichte über die Lage im Land.
Die Türkei könnte hier zum letzten Anker des Westens in Afghanistan werden. Denn Präsident Erdogan, dessen Truppen bereits jetzt auf dem Flughafen in Kabul stationiert sind, hat angeboten, dort weiterhin für Sicherheit zu sorgen. Zu Recht fordert er dafür finanzielle Unterstützung.
Der Westen sollte sich nicht lumpen lassen.
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