Ätzende Dämpfe
40 Verletzte bei Chemie-Unfall im Norden von Hessen
Die Feuerwehr löste Großalarm aus und rief mitten in der Nacht über Lautsprecher die Bewohner auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Um das Industriegebiet der Kleinstadt herum wurden Dekontaminationsstellen eingerichtet. Zehn Notärzte und eine Hundertschaft vom Rettungsdienst kümmerten sich um die rund 240 Betroffenen, vor allem Lageristen und Lkw-Fahrer, aber auch Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter und Polizisten. Sie mussten ihre Kleidung abgeben und bekamen nach einer Dusche frische Trainingsanzüge.
Die farblose Flüssigkeit war gegen 0.30 Uhr auf dem Gelände einer Logistikfirma ausgelaufen. Ein Gabelstaplerfahrer hatte die Feuerwehr wegen eines Lecks in einem 200-Liter-Fass mit dem Stoff Phenylmercaptan alarmiert. Der nach Knoblauch stinkende Stoff wird an der Luft zu Gas und verbreitet sich so in der Umgebung. "Er ist stark riechend, ätzend und greift bei entsprechender Konzentration die Atemwege und Schleimhäute an", warnten die Experten. Die mit schwerem Gerät und Atemschutzmasken angerückten Feuerwehrmänner stülpten in der Früh einen größeren Behälter über das beschädigte Fass und dichteten es so ab.
Gaswolke verflüchtigt
Nach ersten Messungen bestand für die Stadt und ihre gut 14.000 Einwohner keine Gefahr, wie ein Sprecher der Polizei versicherte. Die Gaswolke zog seinen Angaben zufolge in der Nacht von Homberg weg und verflüchtigte sich weiter.
Hinter dem Fachbegriff Phenylmercaptan (auch Thiophenol) verbirgt sich eine organische Schwefelverbindung, die für die Produktion von Pharmazeutika, Insektengiften sowie Farb- und Kunststoffen benötigt wird. Laut Produktinformation eines Herstellers besteht beim Einatmen, Verschlucken und bei Hautkontakt Lebensgefahr. Die farblose, übelriechende Flüssigkeit wird als sehr giftig, entzündlich und reizend eingestuft. Die Chemikalie gilt außerdem als stark wassergefährdend.











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