„Corona-Schuljahr“

Viel fürs Leben gelernt: Schüler ziehen Bilanz

Tirol
09.07.2021 15:13

Ein forderndes Schuljahr ging am Freitag zu Ende. Die „Tiroler Krone“ hat Mittelschüler in Kematen um ihre Bilanz gebeten und gestaunt, wie klar ihre Vorstellung von Schule nach der Pandemie ist.

Kinderlachen hallt durch die Gänge, im Pausenhof wird Ball gespielt, eine Lehrerin mit Blumenstrauß huscht vorbei. Schulschluss-Stimmung in der Mittelschule Kematen.

Bevor es in die großen Ferien geht, stehen uns Gábor und Leon (beide 12), Ricarda, Sophie und Emily (alle 13) sowie Ana-Lena (14) gemeinsam mit Direktor Alexander Krickl noch einmal Rede und Antwort. Sie ziehen Bilanz über ein Schuljahr, das die 93.000 Tiroler Schüler so noch nicht erlebt haben und in dieser Form wohl nie wieder erleben werden. „Wir haben viel gelernt“, meint Leon und nickt bedeutsam. Freund Gábor nickt auch: „Ja, echt viel.“

In drei Monaten das Programm für drei Jahre
Dann erzählen uns die Kinder vom digitalen Unterricht, der mit ein paar Emails und WhatsApps begonnen hat – und mittlerweile ein kleines Universum an Möglichkeiten bietet. „Unser Biologielehrer hat uns oft über Live-Stream aus dem Wald die Natur nähergebracht“, nennt Ana-Lena ein Beispiel. Emily klickt auf ihr Handy und zeigt uns die letzte Aufgabenstellung für Organische Chemie. Die Kemater Schüler haben selbst Podcasts (digitale Audio-Beiträge) produziert und sogar ein digitales Märchenbuch gestaltet.

„Wir haben in drei Monaten das Digitalisierungsprogramm von drei Jahren erlernt“, beschreibt Direktor Krickl eindrucksvoll, was die 589 Tiroler Schulen leisten mussten. Und sie haben es großteils mit Bravour geschafft. Die digitale Schule wird bleiben. Daran gibt es für den Direktor und die Kinder keinen Zweifel.

Zitat Icon

Wir wollen nicht digital abheben. Wir streben nach einer Verschmelzung von analogem Unterricht mit digitaler Unterstützung.

Direktor Alexander Krickl

„Dann will ich mit dem Lehrer live reden“
Und dennoch: Das gemeinsame Lernen in den Klassen schätzen alle nach diesem Jahr noch mehr. „Wenn ich was nicht versteh, dann will ich mit dem Lehrer live reden“, spricht Leon einen zentralen Punkt an. Das kann kein Computer leisten. Sophie erinnert an die große Entbehrung, die alle Kinder und Jugendliche über Monate schmerzlich gespürt haben: „Ich will meine Freundinnen und Freunde in der Schule treffen.“ Das kann das intelligenteste soziale Medium nicht ersetzen.

Lernen im Freien war der Schultrend des Jahres
Analoger Unterricht wird in Zukunft auch neue Wege gehen. In Kematen und vielen anderen Schulen wurde Lernen in der Natur kultiviert. Ana-Lena schwärmt immer noch vom Englischunterricht im Park. Ricarda erzählt von den entzückenden neun Küken, die in der Schule unter der Wärmelampe ausgebrütet wurden. Und Gábor beschreibt, wie er und die anderen Kinder mit Unterstützung von Dorfbewohnern ein Insektenhotel gebaut haben. Auch eine Freiluft-Klasse gibt es seit heuer in Kematen.

Ein ereignisreiches Schuljahr ging zu Ende. Die Kinder verdienen Hochachtung für ihre Leistung, die Lehrer auch. „Und die Eltern“, ergänzt der Direktor. Da nicken alle.

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