02.07.2021 05:00 |

Essstörung

Hungern & trainieren bis zum Umfallen

Männerkrankheit „Sport-Bulimie“ - diese gefährliche Essstörung wird häufig übersehen. Aus Angst vor Übergewicht flüchten sich viele Betroffene in exzessiven Sport. Dieser dient dann weniger der Freude an Bewegung, sondern vielmehr dem gezielten Kalorien- und Fettabbau beziehungsweise Muskelaufbau, auch zwischen den Essattacken.

Viele Burschen und Männer leiden darunter, dem „perfekten Körperbild“ nicht zu entsprechen, und entwickeln mitunter ein gestörtes Ess- und Bewegungsverhalten. Oft erkennen Betroffene und ihr Umfeld gar nicht, dass sich dahinter eine echte Krankheit verbirgt. „Essstörungen gelten nach wie vor als typisch weiblich, daher scheuen sich viele Männer umso mehr, sich eine solche einzugestehen“, nennt OA Dr. Renate Hagenauer, Fachärztin für Innere Medizin im Klinikum Rohrbach (OÖ), einen Grund, warum das Leiden häufig nicht erkannt wird. Mit einem Anteil von zehn Prozent sind sie weitaus seltener von Essstörungen betroffen als Mädchen und Frauen, ihre Zahl nimmt aber vor allem bei den Jungen dramatisch zu. 2018 landeten um ganze 60 Prozent mehr Burschen im Alter von 12 bis 17 Jahren wegen einer Essstörung im Spital als im Jahr 2008. Aber auch bei Erwachsenen ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten.

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Essstörungen gelten nach wie vor als typisch weiblich, daher scheuen sich viele Männer umso mehr, sich eine solche einzugestehen.

OA Dr. Renate Hagenauer, Fachärztin für Innere Medizin

Training als Lebensmittelpunkt
„Zum Schamgefühl und weil es ein Tabuthema ist, kommt bei männlichen Essstörungen dazu, dass sie oft von geradezu exzessiver Sportausübung begleitet werden“, erklärt OA Hagenauer. „Sport dient dann weniger der Freude an Bewegung, sondern vielmehr dem gezielten Kalorien- und Fettabbau beziehungsweise Muskelaufbau, auch zwischen den Essattacken.“ Etwa acht Prozent der Männer mit Essstörungen leiden unter Magersucht, 15 Prozent unter Bulimie (Ess- Brechsucht). Besonders verbreitet ist bei ihnen aber das sogenannte „Binge Eating“ mit rund 20 Prozent. Dabei kommt es zu regelmäßigen Essattacken, oft mehrmals die Woche. Aus Angst vor Übergewicht flüchten sich auch hier viele Betroffene in den exzessiven Sport und kann sich eine sogenannte „Sport-Bulimie“ entwickeln.

Weil viele ihre Essstörung selbst nicht sehen, sind Freunde und Familie umso mehr gefragt. „Äußern kann sich diese Krankheit in einem veränderten Essverhalten, einer massiven Ab- oder Zunahme von Gewicht oder einem auffällig ausgeprägten Muskelaufbau, manchmal auch mit dem Missbrauch von Substanzen“, betont Hagenauer. „Und häufig gehen sie mit Depressionen und Ängsten einher, auch mit Verhaltensänderungen oder gar einem Rückzug aus dem sozialen Umfeld, was das Erkennen umso schwieriger macht.“ Besorgten Angehörigen empfiehlt Dr. Hagenauer ein vertrauliches Gespräch und unter Umständen auch, gemeinsam eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Karin Rohrer-Schausberger
Karin Rohrer-Schausberger
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