01.06.2021 14:15 |

Aurus Senat

Produktionsstart für Putins Fake-Rolls-Royce

Russlands Machthaber Wladimir Putin ist längst im Aurus Senat unterwegs, auch wir sind schon vor zwei Jahren dringesessen - jetzt hat in Russland die Serienproduktion der Luxuslimousine begonnen. Putin selbst meldete sich per Videoschalte am Fließband: "Das ist tatsächlich ein würdiges Qualitätsauto, das den weltweiten Standards entspricht

Russland arbeitet nach einer Anordnung Putins seit 2012 an der Entwicklung dieses neuen Fahrzeugs, das unter dem Projektnamen Kortesch begonnen hatte. 6,6 Milliarden Rubel (rund 74 Millionen Euro) seien in die Produktionsanlagen geflossen, hieß es.

Im Aurus steckt viel Knowhow aus dem Westen. Porsches Entwicklungstochter namens Porsche Engineering wurde beauftragt, einen V8-Hybrid zu entwickeln (und einen Zweiliter-Vierzylinder, der später in kleineren russischen Autos laufen soll). Aurus-Chef ist Ex-Daimler-Manager Gerhard Hilgert.

Sieben Sitze und volle Panzerung
Der Aurus Senat soll in zwei Ausführungen gebaut werden: Das lange Modell weist 4,30 Meter Radstand und bis zu sieben Plätze auf, die einen Meter kürzere Ausgabe misst 5,63 Meter in der Länge. Eine Rundum-Panzerung, die vor Schüssen und Explosionen schützen soll, ist dem großen Edelmodell vorbehalten, das dann sieben Tonnen auf die Waage bringt. Das Normalmodell soll in sechs Sekunden Tempo 100 erreichen und maximal 250 km/h schaffen.

Elektromotor von Kalaschnikow
Gemeinsam haben die „Senatoren“ einen 4,4-Liter-Achtzylinder-Biturbo-Motor, der 598 PS und 880 Nm an alle vier Räder schickt. An Bord ist als zusätzliche Unterstützung ein 75 kW/102 PS starker Elektromotor. Das Meiste an moderner Technik wurde in Russland entwickelt, mit besagter Unterstützung natürlich, auch die Neungang-Automatik oder das elektronisch geregelte Fahrwerk. Der Elektromotor stammt von Kalaschnikow. Bei den komplett vorhandenen Assistenzsystemen halfen die üblichen Zulieferer, die auch Mercedes oder BMW versorgen. Auch die Gestaltungsoptionen für den Innenraum versprechen Luxus und Überfluss pur. Holz, Leder und was sonst noch edel und teuer ist, können bestellt werden.

Bisher hatte es nur einzelne Modelle der neuen russischen Staatskarosse gegeben, mit der Putin immer wieder selbst vorfährt. Erstmals öffentlich vorgeführt wurde der Aurus Senat, der in manchem an einen Rolls-Royce erinnert, wie es die APA vorsichtig formuliert, bei Putins Amtseinführung im Mai 2018.

Europa-Export erst später
Die Produktionsanlage von Ford Sollers steht in Jelabuga in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Heuer sollten bis zu 350 Fahrzeuge vom Band laufen, sagte der Minister für Industrie und Handel, Denis Manturow. Künftig sollten bis zu 5000 Fahrzeuge pro Jahr hergestellt werden in verschiedenen Ausstattungen. Der Startpreis liege bei 18 Millionen Rubel (gut 200.000 Euro).

Im Einsatz sind die Limousinen bisher bei der russischen Regierung und beim Kreml. Damit will sich der Machtapparat auch abgrenzen von den bisher breit genutzten Modellen der Marke Mercedes. Aurus-Generaldirektor Adil Schirinow sagte, dass rund 70 Prozent der Fahrzeuge für den Export bestimmt seien. Zunächst habe Russland vor allem den Nahen Osten und Nordafrika im Blick als Markt, aber künftig auch China, Lateinamerika und Europa.

Nach Angaben des Herstellers gibt es auch eine fertig ausgearbeitete Aurus-Variante mit Wasserstoffantrieb.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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