Nach der Revolution
F: Viele Tunesier wollen nun zurück in die Heimat
1972 kam Garrourie nach Frankreich, um an einer Pariser Universität zu studieren. Eigentlich wollte er nur einige Jahre bleiben. "Aber dann habe ich den Niedergang des Volks in Tunesien gesehen und bin in Europa geblieben", sagt er. Jedes Mal, wenn Garrourie in den Ferien sein Heimatland besuchte, wurde er von Sicherheitskräften des Diktators verfolgt und eingeschüchtert.
Telefonate mit seiner Familie und Freunden in Tunis seien sicherlich abgehört worden. "Nie konnten wir frei reden", sagt er. Bei jedem Besuch habe er Angst gehabt, nicht mehr ausreisen zu dürfen. Jetzt kann er zum ersten Mal unbeschwert zu seiner Familie zurückkehren. "Frankreich wird viele tunesische Einwohner verlieren", prophezeit Garrourie.
"Verbrecherische Diktatur lange geschützt"
Viele Tunesier fühlten sich in der Vergangenheit im Stich gelassen. "Die gesamte Europäische Union hat das tunesische Volk vergessen", sagt Moncef Garrourie. Die UCDR habe zusammen mit Menschenrechtsorganisationen immer wieder Briefe geschrieben und Dossiers verfasst, die Folterungen in den Gefängnissen und die Zensur der Presse belegten.
Auch bei früheren französischen Innenministern hat Garrourie persönlich mehrmals vorgesprochen. "Es ist nichts passiert", sagt er entrüstet. "Wie kann ein verbrecherischer Diktator so lange geschützt werden?", fragt der Ingenieur. Auch deshalb sei Europa nun in der Pflicht, dem unterdrückten Volk beizustehen.
Zehntausende Tunesier demonstrierten in Frankreich
In Frankreich spielen die tunesischen Migranten eine so große Rolle wie Menschen türkischer Herkunft in Deutschland oder Österreich. In südfranzösischen Städten wie Marseille oder Nizza wohnen Zehntausende Tunesier, landesweit sind es rund 600.000. In den vergangenen Tagen haben sie zu großen Kundgebungen für eine tunesische Demokratie in Paris und vielen weiteren Städten aufgerufen und Zehntausende haben daran teil genommen.
Denn wie kein anderes Land der Europäischen Union sind die Geschichten Frankreichs und Tunesiens miteinander verwoben. Erst 1956 wurde Tunesien nach fast achtzigjährigem französischen Protektorat unabhängig. Aber bis heute beeinflusst Frankreich das Leben in dem nordafrikanischen Land und umgekehrt. In den tunesischen Schulen wird sowohl arabisch als auch französisch unterrichtet.
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