13.05.2021 13:01 |

Verdacht ausgeweitet

Pfleger soll in München 2 Patienten ermordet haben

Der Fall rund um einen deutschen Pfleger, der versucht haben soll, drei Patienten zu töten, hat nun neue Dimensionen angenommen. Wie die Ermittlungen ergaben, könnte der Beschuldigte für den Tod von zwei weiteren Menschen verantwortlich sein. „Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen nicht nur von drei versuchten, sondern auch von zwei vollendeten Tötungsdelikten aus“, erklärte eine Sprecherin der Behörde.

Die drei Mordversuche eines Pflegers in einem Münchner Krankenhaus, die vergangenes Jahr Schlagzeilen machten, waren womöglich nur die Spitze des Eisberges, so die Deutsche Presse-Agentur. Und noch immer werden ihren Angaben zufolge weitere Verdachtsfälle geprüft: „Die Ermittlungen dauern an“, ließ die Behörde wissen.

Bisher war nur bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in drei Fällen wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt. Sie wirft dem bei seiner Festnahme 24-Jährigen vor, drei Patienten im Alter von damals 54, 90 und 91 Jahren aus reiner Geltungssucht mit Medikamenten in Lebensgefahr gebracht zu haben, um dann bei ihrer Rettung zu glänzen.

Zustand von Patienten verschlechterte sich auf unerklärliche Weise
Ein aufmerksamer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar war stutzig geworden, weil sich der Zustand von zwei Patienten plötzlich und unerklärlich verschlechtert hatte. Interne Ermittlungen ergaben Hinweise auf einen ähnlichen Fall, bei dem auch der Beschuldigte Dienst hatte. Der Verdacht: Der Pfleger spritzte den Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte. Spuren dieser nicht verordneten Medikamente wurden im Blut der Patienten gefunden. Die Klinik zeigte den Pfleger an, er bestritt die Vorwürfe bei seiner Festnahme.

Der ausgebildete Altenpfleger war seit Juli 2020 über eine Zeitarbeitsfirma in die Klinik gekommen und dort vor allem auf der sogenannten Wachstation im Einsatz, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, auf der Kranke rund um die Uhr betreut wurden. Die Ermittlungsgruppe der Polizei, die sich mit dem Fall befasst, trägt darum den Namen „Wachstation“.

Bevor er den Job in dem Münchner Krankenhaus annahm, hatte der aus Nordrhein-Westfalen stammende Mann laut Staatsanwaltschaft noch nicht in einer Klinik, sondern nur in Altenpflege-Einrichtungen gearbeitet und war da nach bisherigen Erkenntnissen nicht auffällig geworden. „Hinsichtlich seiner Tätigkeit dort haben sich nach Auskunft der dortigen Ermittlungsbehörden keine Auffälligkeiten hinsichtlich etwaiger vergleichbarer Fälle ergeben“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Pfleger wollte laut Ermittlern nach Reanimation „weißer Ritter“ sein
Chatverläufe legen nach Angaben der Behörde nahe, dass der junge Mann sich in München allerdings mit Reanimationsmaßnahmen brüsten wollte und damit, Menschenleben gerettet zu haben. „Deswegen das Leben eines Menschen zu riskieren, um dann nachher als weißer Ritter dazustehen, das stufen wir natürlich als niedrige Beweggründe ein“, sagte die Sprecherin nach der Festnahme. Mit wem der Mann über die Reanimierungen chattete, wollte sie damals nicht sagen. Auch ob der Tatverdächtige sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert hat, sagte sie nicht.

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