17.05.2021 09:00 |

„Krone“-Kolumne

Aufklärungsarbeit: Über Sexualität sprechen lernen

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zu den Ängsten von Eltern, bei der Aufklärung ihrer Kinder etwas falsch zu machen. 

Ab einem bestimmten Alter ist nichts peinlicher, als mit den eigenen Eltern über Sexualität zu sprechen. Selbst einen romantischen Film zu sehen wird zum Spießrutenlauf, wenn während der Kuss-Szene Eltern (oder Kinder!) daneben am Sofa sitzen. Bei sexualpädagogischen Elternabenden erzählen Erwachsene immer wieder mit Schaudern von ihren eigenen Aufklärungsgesprächen. In einem Alter, in dem ohnehin bereits alles zu spät war, versuchten hochrote Eltern Worte für den „Fall der Fälle“ zu finden. Schnell redeten sie sich durch S… und P… und das 1x1 der Aufklärung:

„Passt du eh auf.“
„Kondome Kondome.“
„Du kannst immer kommen, wenn du Fragen hast.“

Die meisten Erwachsenen lachen über die Peinlichkeit ihres spätpubertären Aufklärungsgesprächs noch heute. Nun, da sie selbst Eltern sind oder zumindest sein könnten, möchten sie es bei der nächsten Generation besser machen. Aber wie die sexuelle Bildung von Kindern aussehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während Eltern noch überlegen, sind Jugendliche bereits eifrig dabei, Informationen und vielleicht auch schon erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln.

Die gute und schlechte Nachricht für alle, die nicht wissen, wie sie sexuelle Bildung in ihrer Familie angehen sollen: Erziehung ist von klein auf immer indirekt auch Sexualerziehung. Ob Sie wollen oder nicht, Sie sind schon längst mittendrin. Denn vom Klogehen bis zum Kuscheln: Wie in der Kindheit mit dem Körper, mit Nacktheit, Nähe, Intimität und Lust- bzw. Unlustgefühlen umgegangen wird, beeinflusst die sexuelle Entwicklung nachhaltig.

Dabei wäre es so einfach, sexuelle Gesprächsangebote aufzugreifen, die sich im Alltag mit Kindern ergeben. Kleine Alltagsgespräche schaffen eine Vertrauensbasis für spätere Fragen und Unsicherheiten in der Pubertät. Jene übermäßig offenen Eltern, die nur allzu gerne über sexuelle Details monologisieren, sind teilweise genauso wenig hilfreich wie Eltern, die bei dem Thema am liebsten im Boden versinken.

Worauf es ankommt, ist eine gute Mischung aus Gesprächsbereitschaft, Vertrauen und Respekt vor Grenzen - eine Mischung, die sowohl zu den Eltern als auch den Kindern und Jugendlichen passen sollte. Über Sexualität zu sprechen ist immer auch eine Frage des Vertrauens. Oft sind es deshalb gerade Vertrauen und persönliche Grenzen, die in Familien gemeinsam entwickelt und in der Pubertät neu justiert werden müssen.

Manchen Eltern treibt allerdings bereits die Vorstellung, über Sexualität zu reden, Schweißperlen auf die Stirn. Wer sich bei Gesprächen über Sexualität unwohl fühlt, kann sich (und den eigenen Kindern) die Peinlichkeit ersparen und stattdessen altersadäquate Bücher zum Thema Sexualität ins Regal stellen, oder dezent am Tisch liegen lassen. Ihre Kinder werden es Ihnen danken.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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