"Alles rein zivil"

Internationales Team besichtigt Irans Atomanlagen

Ausland
15.01.2011 20:42
Eine Delegation aus verschiedenen Ländern hat am Samstag den noch nicht fertiggestellten Schwerwassereaktor im iranischen Arak besichtigt. Vertreter aus Ägypten, Kuba, Syrien, Algerien, Venezuela, Oman sowie der arabischen Liga besuchten die Atomanlage im Zentrum des Landes, berichtete das iranische Staatsfernsehen. Am Sonntag solle ein Besuch der Urananreicherungsanlage in der Nähe von Natans folgen, hieß es.

Während der Besichtigungen wolle der Iran auch zwei medizinische Errungenschaften im Zusammenhang mit seinem Atomprogramm verkünden, erklärte der iranische Gesandte der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) Ali Asghar Soltanieh. Damit sollten offenbar Bedenken zerstreut werden, wonach das Land mit seiner Urananreicherung unter dem Deckmantel einer zivilen Nutzung nach dem Bau von Atomwaffen strebt. Der Iran hatte dies stets zurückgewiesen.

Die jüngsten Einladungen seien als vertrauensbildende Maßnahme gedacht, sagte der Chef des iranischen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi. "Dieser Besuch ist der Beweis für die Tatsache, dass der Iran nichts zu verbergen hat", so Salehi.

EU sagte Teilnahme an Besichtigungstour ab
Im Vorfeld hatten China und die EU in den vergangenen Tagen bereits öffentlich mitgeteilt, an der Tour nicht teilnehmen zu wollen. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton betonte, dass eine Inspektion Aufgabe der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO sei. Aus diplomatischen Kreisen hieß es, Russland, die Schweiz, die Türkei und Brasilien hätten die Einladung abgelehnt oder weniger als einen Tag vor der geplanten Abreise aus Wien auf das Schreiben nicht geantwortet. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland waren zu der Besichtigung nicht eingeladen worden.

Beobachter werteten die Einladung Teherans als Versuch, vor den neuen Verhandlungen der Sechsergruppe über das iranische Atomprogramm in Istanbul Zwietracht zwischen den Partnern zu säen.

Unterdessen teilte die iranische Revolutionsgarde mit, dass es sich bei zwei Aufklärungsflugzeugen, die Anfang Jänner über dem iranischen Luftraum abgeschossen worden seien, um Maschinen der USA handele. Ein Behördenvertreter sagte weiter, die Flugzeuge würden öffentlich zur Schau gestellt. Eine Marineeinheit der US-Streitkräfte mit Sitz in der Golfregion hatte jedoch gemeldet, es seien "in der jüngsten Zeit" keine Flugzeuge abgeschossen worden.

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