Ausmaß sichtbar

30.000 Häuser in Brisbane durch Flut zerstört

Ausland
14.01.2011 09:35
In der überfluteten australischen Millionenmetropole Brisbane haben die Aufräumarbeiten begonnen. Während der Fluss Brisbane am Freitag langsam zurückging, fingen die Einwohner an, stinkenden Schlamm aus ihren Wohnhäusern und Geschäften zu schaufeln. Mit dem Ablaufen des Wassers wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar. Etwa 30.000 Häuser sind in den Fluten zerstört worden.

"Es ist ein großer Schmerz für die Leute, wenn sie das erste Mal ihr Haus und ihre Straße wiedersehen", sagte die Regierungschefin des Teilstaats Queensland, Anna Bligh. Sie rief die Einwohner von Brisbane auf, ihren Freunden und Verwandten zu helfen. Rund 30.000 Wohn- und Geschäftshäuser wurden bei den schlimmsten Überschwemmungen seit 1974 in der Stadt beschädigt.

171.000 Haushalte haben inzwischen wieder Strom. 66.000 weitere müssen wegen drohender Kurzschlüsse vor einem Wiederanschluss noch überprüft werden. Auch der öffentliche Nahverkehr nahm den Betrieb wieder auf. Die Stadt stellte 150 Müllcontainer in den vom Hochwasser betroffenen Vierteln auf, damit die zurückkehrenden Bewohner ihre von der Flut zerstörten Möbel und andere Habseligkeiten loswerden können.

Stadt voller Schutt und Schlamm
Die Müllabfuhr fuhr am Freitag wieder erste Dienste. Doch auch die Bewohner und Geschäftsleute wurden von Bürgermeister Campbell Newman aufgerufen, beim Säubern ihrer Stadt zu helfen, wenn sie über Bulldozer oder ähnliches Gerät verfügten. Die Priorität sei nun, die Straßen wieder freizumachen, sagte Newman im Fernsehen: "Den Schutt und den Schlamm beiseite räumen und die Straßen wieder öffnen." Der Pegel des Brisbane stand am Freitag zwei Meter tiefer als am Vortag, als er den Höchststand von 4,46 Metern erreicht hatte.

Premierministerin Julia Gillard kündigte an, die Zahl der Soldaten im Einsatz gegen die Fluten auf 1200 zu verdoppeln. Dies sei der größte Hilfseinsatz nach einer Naturkatastrophe seit dem Zyklon Tracy 1974, der den Nordosten des Landes verwüstet hatte.

Auch in anderen vom Hochwasser heimgesuchten Städten waren Soldaten unterwegs, um in den Trümmern nach weiteren Opfern zu suchen. Bislang gab es 25 bestätigte Tote, 55 Menschen werden noch vermisst. Der Wiederaufbau werde die Ausmaße eines Wiederaufbaus nach einem Krieg haben, erklärte Anna Bligh. Es ist wahrscheinlich die teuerste Naturkatastrophe Australiens. Der Schaden lag schon vor der Überschwemmung Brisbanes bei etwa fünf Milliarden Dollar (3,79 Mrd. Euro).

Hochwassergefahr im Süden
Südlich von Brisbane bereiteten sich mehrere Ortschaften auf die Fluten vor. Die Dämme in Goondiwindi könnten bis zu einem Wasserstand von elf Metern halten, sagte Bürgermeister Graeme Scheu. Krankenhäuser und Altenheime wurden vorsorglich evakuiert. Das Hochwasser war am Montag bereits durch Gemeinden westlich von Brisbane geschossen und hatte dort schwere Zerstörungen verursacht. 

13-Jähriger ließ Bruder retten und starb selbst
Ein vom Hochwasser eingeschlossener 13-Jähriger hatte darauf bestanden, dass zuerst sein kleiner Bruder gerettet wird. Er selbst sei ertrunken, berichtete die Lokalzeitung "The Chronicle" aus der Überschwemmungsregion. Auch die Mutter der Buben habe nicht mehr gerettet werden können.

Die Familie sei in der Stadt Toowoomba - 126 Kilometer von der Stadt Brisbane entfernt - unterwegs gewesen, um Schuluniformen zu holen, als ihr Auto am Montagnachmittag von den Fluten eingeschlossen wurde, berichtete die Zeitung. Die Buben und ihre Mutter seien auf das Dach des Wagens geflüchtet. Ein Helfer habe sich an einem Seil zu dem Trio vorgekämpft.

Als er den 13 Jahre alten Jordan mitnehmen wollte, habe dieser darauf bestanden, dass zunächst sein zehn Jahre alter Bruder Blake gerettet wird. Sekunden später habe die Flut Jordan und seine Mutter mitgerissen, heißt es in "The Chronicle".

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