25.04.2021 16:24 |

Wie Studie, aber Serie

Hyundai Ioniq 5: Erstkontakt mit dem Superstromer

Das soll tatsächlich die Serienversion des Hyundai Ioniq 5 sein? Ich kann es kaum glauben, als ich auf den Wagen zugehe. Allein die extrem stylishen Heckleuchten, dazu das kantige Design! So etwas hätte sich ein deutscher Hersteller nie getraut. Doch der erste Vertreter von Hyundais neuer Submarke kann nicht nur Design, er hat auch Platz ohne Ende und das Beste, was ein Elektroantriebssystem derzeit bieten kann: 800 Volt.

Eigentlich befindet sich Hyundai gerade in einer Phase, wo sie neue Autos mit Design überladen, also mehr Linien, Sicken und Kanten ins Blech pressen, als vielen lieb ist. Zum Beispiel beim Hyundai Tucson, aber auch beim brandneuen Hyundai Bayon. Man kann das schon mögen, aber es ist nicht jedermanns Sache.

Klare Kante, schickes Design
Der Hyundai Ioniq 5 hingegen besticht mit seiner eleganten Schlichtheit. Er zeigt Kante und davon viel. Soll an Hyundais erstes Serienauto erinnern, den Pony, der auch kantig war, aber sehr viel kleiner. Dabei ist der Ioniq 5 nicht nur chic, sondern auch imposant. Und fühlt sich angenehm wertig an. Die Motorhaube ist als sogenannte Clamshell ausgeführt, liegt als nicht eingepasst im Vorderwagen, sondern überspannt auch die Vorderräder. Das wirkt hochwertig und elegant, wird aber nicht so günstig für die Versicherungseinstufung sein.

Die Türgriffe fahren aus, leicht öffnen die Türen, und zwar leicht im Sinne von wenig Gewicht. Das würde man bei so einem Trumm Auto nicht erwarten. Trotzdem fallen sie absolut satt ins Schloss

Aber wir öffnen sie gleich wieder, denn auch der Innenraum ist sehenswert. Wie in einem Mercedes mit MBUX blickt der Fahrer auf die Kombination zweier 12,3 Zoll großer Displays, trotzdem ist die Optik hier eine ganz andere, weil sie nicht vorgeben, ein einzelnes großes zu sein, sondern beige umrahmt sind. Links davon befindet sich eine Stofffläche, die wirkt wie der Lautsprecher eines 50er-Jahre-Radios. In Wahrheit ist es eine Art Pinwand, auf der Magneten haften.

Touchscreen, natürlich. Das Navi ist cloudbasierend und zeigt für Ladestationen auch ihre Verfügbarkeit und die geschätzte Ladezeit an. Viele Funktionen - darunter das Öffnen und Schließen der Heckklappe - können per Sprache bedient werden. Unterhalb der Bildschirmeinheit und der sehr normalen Luftausströmer gibt es echte Tasten für die Hauptmenüpunkte, einen echten Lautstärkeregler und einen dezidierten Bedienkomplex für die Klimaautomatik.

Viel Platz, und Solarzellen am Dach
Der Ioniq 5 basiert auf einer völlig neu entwickelten Plattform („Electric-Global Modular Platform“, E-GMP), die in diesem Fall volle drei Meter Radstand bietet - Oberklasseniveau! 18 Zentimeter länger als beim neuen Kia Sorento! Dabei handelt es sich um ein Mittelklasse-CUV (also Crossover Utility Vehicle, so etwas wie ein sportliches SUV) mit gerade einmal 4,64 Meter Länge, knapp länger als der Hyundai Tucson. Das Platzangebot im Innenraum ist phänomenal. Die geteilte Rückbank ist ebenso verschiebbar wie die Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen. Sehr praktisch: Der Fahrer kann mit Knöpfen an der Beifahrersitzlehne nicht nur eben diesen verstellen, sondern auch die beiden Segmente der geteilten Rückbank vor- und zurückfahren.

In den Kofferraum passen 531 bis 1591 Liter. Unter der Fronthaube verbirgt sich unter einem Extradeckel noch ein winziges Fach. In der Heckantriebsvariante ist es ein wenig größer.

Das riesige, durchgängige Glasdach sorgt nicht nur zusätzlich für ein luftiges Raumgefühl, sondern ist quasi ein bordeigenes Solarkraftwerk. Es erzeugt Strom, mit dem ständig die Batterie geladen wird. Wie viel, darüber gibt es noch keine Angaben.

Mehrere Akku-/Antriebskombinationen
Der Akku befindet sich im Boden und fasst je nachdem 58 kWh oder 72,6 kWh. Für beide steht grundsätzlich Heckantrieb mit einem Elektromotor im Heck sowie Allradantrieb mit einem zusätzlichen Motor in der Front zur Wahl. Allerdings ist der Antrieb im Fall der größeren Batterie stärker. Das Topmodell kommt auf eine Gesamtleistung von 225 kW/306 PS sowie ein maximales Drehmoment von 605 Nm und soll den Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden schaffen. Kombiniert man die 58-kWh-Batterie mit dem Allradantrieb, erreicht man 100-km/h in 6,1 Sekunden (173 kW/235 PS, 605 Nm).

Die Variante mit Heckantrieb kommt je nach Akku auf 160 kW/218 PS oder 125 kW/170 PS und liefert 350 Nm Drehmoment. Sprintwert: 7,4 oder 8,5 Sekunden. In allen Fällen ist das Höchsttempo elektronisch auf 185 km/h begrenzt.

Als WLTP-Reichweite gibt Hyundai 470 bis 480 Kilometer mit der großen Batterie und Heckantrieb an, im Fall der kleineren Batterie reduziert sich der Wert auf 360 bis 380 km.

Rasanter Ladestopp
Der Ioniq 5 ist grundsätzlich für das Laden mit 400 und 800 Volt gerüstet, die maximale Ladeleistung liegt bei 220 kWh. Im Idealfall kann die Batterie in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent schnellgeladen werden. Fünf Minuten sollen für 100 km WLTP-Reichweite genügen. Beim Wechselstromladen zieht die E-GMP-Batterie Strom mit bis zu 11 kW.

Steckdosen für externe Verbraucher
Der gespeicherte Strom kann auch für externe Verbraucher genutzt werden. Dafür sind zwei 3,6-kW-Steckdosen vorhanden, eine im Auto (unter den Sitzen der zweiten Reihe) und eine weitere außen, neben dem Ladeanschluss. Diese ist auch bei abgestelltem Auto aktiv und kann z.B. Elektrofahrräder, Scooter oder Campingausrüstung versorgen. Für solche Fälle ist dann vielleicht auch die Anhängelast interessant: Der Ioniq 5 kann bis zu 1600 kg ziehen.

Im Sommer kommt der Hyundai Ioniq 5 zu den Händlern. Die Preisliste startet bei 45.990 Euro.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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