13.04.2021 05:00 |

FSME nach Zeckenstich

Langzeitfolgen bei Kindern werden oft unterschätzt

Die „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ wurde bei den Kleinen lange nicht ernst genommen, weil sie seltener als Erwachsene erkranken und der Verlauf angeblich milder wäre. 2020 waren 34 der 215 (übrigens ein Rekordhoch seit dem Jahr 1987!) an FSME-leidenden Personen in Österreich Kinder unter 14 Jahren, der jüngste Patient davon 18 Monate alt! 14 Sprösslinge (siebenmal mehr als 2018) hatten im vergangenen Jahr eine schwere Meningoenzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns und der Gehirnhäute - intensivmedizinische Betreuung und Rehabilitations-Aufenthalte inklusive! Immer mehr Studien beweisen zudem, dass Kinder langfristig unter den Auswirkungen der FSME leiden können - selbst bei einem ursprünglich völlig harmlosen Verlauf.

Die ersten warmen Frühlingstage haben es bereits gezeigt: Viele Kinder sind in der jetzigen Pandemie-Zeit mit ihren Eltern im Freien unterwegs, vor allem, um Bewegung zu machen und Kraft für diese schwere Zeit zu tanken. „Dadurch bieten sie sich den Zecken auch häufiger als sonst als ,Wirt‘ an“, erklärt Dr. Ulrike Waltl, Kinderärztin und Impfreferentin der Ärztekammer Oberösterreich. „Zecken gibt es ja nicht nur im Wald oder auf Wiesen, man findet sie auch in der Stadt, etwa auf Spielplätzen. Kinder sind sogar besonders exponiert, da sich Zecken hauptsächlich in niedriger Vegetation aufhalten und selten höher als einen Meter über den Boden hinaufkommen. Damit sind sie genau in der Höhe spielender Kinder.“ Auch wenn man aufpasse, könne man einen Kontakt nicht immer vermeiden, so die Expertin.

Manche Kids erwischen tatsächlich einen infizierten „Krabbler“. „Selbst wenn sie dann scheinbar nur harmlose FSME-Symptome wie bei einem grippalen Infekt bekommen, sollte man dennoch auf der Hut sein und auch nach Ende der akuten Phase auf potenzielle Folgeerscheinungen achten“, warnt Dr. Waltl. Immer mehr Studien würden auf längerfristige Auswirkungen hinweisen. Wie häufig diese bei den Kleinen auftreten, lässt sich nicht genau sagen. Die Bandbreite in den Studien ist groß, in manchen ist von bis zu zwei Dritteln die Rede. Häufig beobachtete Symptome sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und kognitive Einschränkungen. Eltern berichten von andauernden Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefiziten bei etwa einem Viertel. Lehrer über kognitive Probleme und eine Verschlechterung der Schulnoten. Selbst Depressionen nach einer FSME-Erkrankung wurden beobachtet.

Der beste Schutz für Kinder und Erwachsene ist die Impfung! Für Kinder gibt es eigene Impfstoffe, die ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zugelassen sind. Im österreichischen Impfplan wird aber auch auf die Möglichkeit hingewiesen, noch früher zu impfen. Mit dem Kinderarzt besprechen.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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