Wir lechzen nach dem Ende der Coronakrise. Hoffen auf eine bessere Zukunft. Die „Krone“ wagt mit Experten aus Oberösterreich den Blick nach vorne: Wo stehen wir in 15 Jahren?
Wie wird die Welt nach Corona aussehen? Die WHO geht von einem möglichen Ende der Pandemie Anfang 2022 aus, andere Experten meinen, erst Ende des kommenden Jahres.
Alles zurück auf Anfang?
Wird dann alles wieder so wie früher sein? Nein, sicher nicht. Denn schon jetzt zeichnen sich Veränderungen im Alltags- und Zusammenleben und beim Arbeiten ab, sogar im Glauben. Diese Entwicklungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Anders ist aber nicht unbedingt schlechter. Was jetzt wie im Zeitraffer voranschreitet und was sich gerade zusammenbraut, wird laut Experten erst in 15 Jahren zur Gänze sichtbar sein.
Im Schwung der Krise
„Als Optimist hoffe ich, dass wir in 15 Jahren sagen werden: ,Wir sind mit Schwung aus der Krise herausgekommen, und sie hat notwendige Änderungen beschleunigt‘“, sagt Gabriel Felbermayr. Der Oberösterreicher, aufgewachsen in Bad Hall, ist derzeit noch Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und übernimmt mit Oktober das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) – wir berichteten. Er ist einer von sechs Experten, alle haben oberösterreichische Wurzeln, die wir zu Wort kommen lassen – siehe Spalten rechts.
Trends im Überblick
Einige Trends sind schon sichtbar, sie werden bleiben.
Digitalisierung: Am rasantesten prescht die Digitalisierung davon. Sie erfasst den Bildungsbereich besonders stark, seit das Lehren und Lernen plötzlich zum „Distance learning“ geworden ist. Viele Teile davon werden auch in den normalen Schulalltag der Zukunft übergehen.
Konsum: Corona brachte für uns den Abschied von Drängeleien in Geschäften und ewigen Warteschlagen vor Kassen. Jetzt stehen wir höchsten bei der Teststation an, aber mit Abstand und Maske.
Die Internet-Händler legten dafür zu. Rund 38 Prozent der Oberösterreicher kaufen seit Beginn der Pandemie öfter online ein als zuvor. Das kurbelte das Logistikgewerbe an: Allein in Oberösterreich wurden 32,4 Millionen Pakete zugestellt, das ist um rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.
Die Schattenseite:
Die Zahl der genutzten Geschäftsflächen wird zurückgehen, verbunden mit Arbeitsplatzverlusten im Handel und der Frage der Nachnutzung. Das wird uns Jahrzehnte beschäftigen.
Wohnen und Arbeiten: Homeoffice ist ebenfalls ein Corona-Effekt. In der Folge fallen Arbeitswege (und Staus) weg. Beratungsunternehmen schätzen, dass auch nach der Krise 20 bis 25 Prozent der Arbeitskräfte zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten. Bei Homeoffice ist es egal, wo man wohnt. Darum schau(t)en sich viele nach einem Eigenheim am Land um. Nicht nur, um mehr Platz zu haben, sondern auch um ihr Geld krisensicher anzulegen. Die Steigerung der Immobilienpreise im vierten Quartal 2020 lag bei zehn Prozent. Eine Trendwende ist noch nicht absehbar.
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