11.04.2021 09:00 |

„Krone“-Interview

Tirols Feuerexperten und die Spurensuche

Wenn es für Florianijünger „Brand aus“ heißt, rücken die Ermittler an und suchen akribisch nach der Ursache. Im „Krone“-Interview gibt Andreas Wurm, Leiter dieses Bereichs beim Landeskriminalamt, Einblicke in diese Arbeit.

„Krone“: Wie ist die Brandermittlung in Tirol strukturiert?
Wurm: Auf Landesebene gibt es als zentralen Punkt das Landeskriminalamt. Vier Personen sind dabei hauptberuflich für die Bereiche Brand, Explosion und Sprengstoff zuständig. Sie bearbeiten die großen Fälle und führen Schulungen durch. Um die ,normalen‘ Fälle im Land – pro Jahr sind es rund 800 bis 1000 – kümmern sich die Bezirksbrandermittler – tirolweit gibt es davon 50.

Wie wird man denn eigentlich Brandermittler?
Wer in der Ursachenforschung tätig sein will, muss zuerst eine Grundausbildung von mehreren Wochen absolvieren, die drei Module umfasst und im Bundeskriminalamt in Wien stattfindet. In weiterer Folge wird man vor Ort geschult. Alle zwei Jahre finden dann spezifische Fortbildungen statt. Ist die Ursache geklärt, befasst man sich im nächsten Schritt damit, wer für den Brand verantwortlich war. Hat jemand fahrlässig gehandelt oder war es Brandstiftung? Für diese Ermittlungen ist jedoch eine Ausbildung in der Exekutive eine Voraussetzung.

Was sind die einzelnen Schritte bei der Ermittlung?
Im ersten Schritt versuchen wir, den Ausbruchsbereich festzustellen bzw. einzugrenzen. Ist das geschehen, folgt die Abklärung der möglichen Zündquellen. Je nach Ort gibt es eventuell auch mehrere mögliche Quellen. Dann wird mit dem Ausschlussprinzip vorgegangen. Wir arbeiten sozusagen wie die Archäologen von außen nach innen. Und natürlich sichern wir auch Spuren, wie Finger- oder Fußabdrücke, Spuren von Werkzeugen und dergleichen mehr. Ein Brandort ist letztlich nichts anderes als ein Tatort bei einem Mord.

Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung?
Es gibt den so genannten Photo-Ionisations Detektor. Dieses Gerät erkennt zündunterstützende Mittel. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass ein Spürhund das deutlich besser kann. Weiters gibt es in Tirol drei mobile Labore, die einige Schnelltestungen ermöglichen. Sehr viele Proben und Materialien schicken wir jedoch zum Bundeskriminalamt nach Wien weiter. Dort arbeiten Chemiker, Physiker und weitere Experten damit.

Arbeiten Sie alleine oder in einem Team?
Grundsätzlich wird im Team gearbeitet. Es gibt einerseits die objektive Suche am Brandplatz, wie ich sie schon geschildert habe. Parallel dazu gibt es noch die subjektive Komponente. Dabei wird mit dem Brandentdecker, den Einsatzkräften und den ortskundigen Personen gesprochen. Am Ende entsteht daraus dann ein Gesamtbild.

Was erschwert Ihnen die Ermittlungen?
Anders als bei einem Tatort, wo es einen Mord gegeben hat, wird bei uns nicht gleich alles abgesichert und gesperrt. Zuerst werden klarerweise die Lösch-, Evakuierungs- und Sicherungsarbeiten durchgeführt. Es wird also durch den Brand selbst, die notwendigen Löscharbeiten und die gesetzten Maßnahmen für die Sicherung viel vernichtet. Ein Brandstifter hat zudem aufgrund der Brandentwicklung einen zeitlichen und räumlichen Vorsprung.

Gibt es auch Brände, die nicht geklärt werden können?
Leider ja. Gerade bei Bränden in sehr exponierter Lage, wenn beispielsweise eine abgelegene Hütte brennt und es keine Brandbekämpfung gibt, entsteht ein Temperaturniveau, das alles restlos zerstört.

Was sind sozusagen die Klassiker, die zu einem Brand führen?
In der letzten Statistik aus dem Jahr 2019 belegt die elektrische Energie Platz eins als häufigste Zündquelle. Sei es der Stromanschluss als solches oder damit verbundene Geräte. Stark zunehmend sind auch überhitzte Akkus. Fahrlässigkeit – etwa bei Flämmarbeiten – ist auch immer wieder ein Thema. Zigaretten sind immer weniger oft Ursache für einen Brand.

Welcher Fall war für Sie der wohl schwierigste?
Ich hatte in meiner Karriere Fälle, bei denen auch jüngere Menschen – zum Teil waren es Kinder – zu Tode kamen. Das ist seelisch sehr belastend. Abseits davon sind es die Brandserien, die uns zu schaffen machen. Wie etwa in Landeck, im Zillertal oder in Kundl. Ein Brand löst im Menschen eine Urangst aus. Die Bevölkerung vor Ort findet keine Ruhe, bis der Täter geschnappt ist. Bei einer Serie im Oberland wurden über Monate hinweg immer wieder Ställe in Brand gesetzt. Damals hatten wir jede Nacht bis zu 80 Leute im Einsatz. Das geht dann schon an die Substanz.

Was ist das Spannende an dem Beruf?
Er ist sehr abwechslungsreich. Jeder Fall ist anders gestrickt. Im Vorfeld weiß man nie, was einen erwartet, wodurch jedes Mal sehr viel Spannung dabei ist. Man muss sich bei jedem Fall komplett neu einarbeiten. Zudem lernt man viele Menschen kennen.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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