Kredit und Kritik

IWF zeigt Irland die Gelbe Karte: “Es reicht nicht”

Ausland
17.12.2010 21:44
Der Internationale Währungsfonds zeigt dem EU-Sorgenkind Irland die Gelbe Karte: Zwar wurde der Grünen Insel am Donnerstag ein Milliarden-Kredit gewährt, einen Tag später heißt es aber nun vom IWF: Mit seinen derzeitigen Sparbemühungen werde es Irland nicht schaffen, seine Schulden ausreichend zu verringern. Am Freitag verringerte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote Irlands um gleich fünf Stufen.

Die EU-Vorgabe, das auf unglaubliche 32 Prozent des BIP ausgeuferte Defizit bis 2015 wieder unter die erlaubte Marke von drei Prozent zu bringen, erreiche das Land nur, wenn es noch weiter Ausgaben kürze und neue Einnahmequellen finde, heißt es in dem von IWF-Prüfern erstellten Bericht, der am Freitag in Washington veröffentlicht wurde. 

Das Defizit werde 2015 noch bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Die Krisenfeuerwehr geht für diese Vorhersage von einem schwächeren Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren aus als die irische Regierung selbst.

Der Report wurde allerdings erst veröffentlicht, nachdem das krisengeschüttelte Irland einen 22,5 Milliarden schweren Kredit beim IWF beantragte, ein Teil des Paketes internationaler Finanzhilfen in einer Gesamthöhe von 85 Milliarden Euro. Der IWF hatte den Kredit am Donnerstag genehmigt, obwohl Experten des Institutes in dem Bericht warnen, dass Irland vielleicht nicht in der Lage sein werde, das Geld vollständig zurückzuzahlen. "Es gibt signifikante Risiken", heißt in der Notiz eines IWF-Mitarbeiters. 

Moody's stuft Irland auf zwei Stufen über Ramschniveau ab
Die Ratingagentur Moody's hat am Freitag die Kreditwürdigkeit Irlands um gleich fünf Noten reduziert. Irland bekomme jetzt nur noch die Note "Baa1" nach zuvor "Aa2", teilte Moody's mit. Gleichzeitig warnte Moody's vor einer weiteren Herabstufung, falls das Land seine Schuldenentwicklung nicht auf absehbare Zeit unter Kontrolle bringe. Die Note "Baa1" liegt nur noch zwei Noten über Ramschniveau. Moody's begründete die Absenkung des irischen Status' mit den Kosten der Bankenrettung, der gestiegenen Unsicherheit über den wirtschaftlichen Ausblick des Landes und dem Rückgang der Finanzstärke der Regierung. 

Der Ausblick bleibe negativ. Unsicherheit mit Blick auf die irische Wirtschaft resultiere aus dem anhaltend starken Abwärtstrend des Finanz- und des Immobiliensektors. Zudem gingen die Kredite an den privaten Sektor weiter zurück. Bereits in der vergangenen Woche hatte Fitch dem Land das A-Rating aberkannt: Fitch senkte die Bewertung von "A+" auf "BBB+".

EZB deckt sich vorsorglich mit Pfund ein
Die Europäische Zentralbank bereitet sich unterdessen auf eine zusätzliche Stützung Irlands vor. Mit der britischen Zentralbank vereinbarte sie ein Tauschgeschäft, worüber sie bis zu zehn Milliarden Pfund (11,7 Mrd Euro) an die irische Zentralbank geben könnte, wie die Notenbank am Freitag in Frankfurt mitteilte. Die Bank of England erhält im Gegenzug einen entsprechenden Euro-Betrag.

Hintergrund ist, dass die nationalen Notenbanken für die Banken in ihrem Land oftmals auch Fremdwährungen benötigen. Die irische Notenbank könnte vor allem wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung des Landes mit Großbritannien auf zusätzliche Mittel in Pfund angewiesen sein. Die Tauschvereinbarung der Zentralbanken ist bis Ende September 2011 befristet.

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