Bruder des Mordopfers:

„Sara verzeih mir, dass ich zu spät gekommen bin“

Oberösterreich
10.03.2021 06:00
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich
„Die Schuldgefühle zerfressen mich, weil ich zu spät gekommen bin“, sagte am Dienstag unter Tränen der junge Bruder jener 34-jährigen Oststeirerin, die von ihrem Ex-Freund aus Wolfern (35) mit acht Schüssen getötet worden ist. Für die Anklage war das ein klarer Mord. Der Angeklagte selbst spricht von Notwehr.

Tapfer stellt sich der junge Oststeirer der Befragung. Er will stark sein für seine Schwester. „Ich bin mit ihm (dem Angeklagten, Anm.) nie warm geworden“, erzählte er Richter Andreas Rom. „Man wusste nie, wann er die Wahrheit sagt.“ Sogar Darmkrebs habe der Angeklagte erfunden. „Er hat einfach immer gelogen.“

Der schlimmste Tag seines Lebens
Auf den schlimmsten Tag seines Lebens angesprochen, bricht der Steirer zusammen. Er war – alarmiert durch eine andere Schwester – auch am Tatort, hat den Angeklagten noch gesehen. Blutig, mit der Waffe in der Hand, bei dessen Festnahme. Mit seinem Bruder, der dem Tod knapp entronnen war, ist er dann ins Haus gerannt. „Dort lag sie, im Gang. Ich sah nur Blut an der Wand, dachte, sie hat sich den Kopf angeschlagen“, sagte er. Beim Zuhören bricht einem fast das Herz. Denn es war viel schlimmer als ein Cut am Kopf. Sechs Projektile hatten Sara getroffen. Aus der Waffe ihre Ex-Freundes, der über ein Fenster in ihr Haus eingestiegen war. „Wir lieben dich, wir brauchen dich, bleib bei uns“, habe er gerufen und sie gestreichelt. „Bitte geh nicht.“ Doch die Verletzungen waren zu schwer. „Ich hoffe, sie verzeiht mir, dass ich zu spät gekommen bin“, wird der Steirer vor Gericht.

„Es ging ihm um Kontrolle“
Sein großer Bruder, der entkommen konnte, erzählt mit verzweifelter Stimme, wie der Oberösterreicher über der schwer verletzten 34-Jährigen gestanden, gezielt und abgedrückt hatte. „Die Stirnadern hat es ihm herausgedrückt. Sie war so hilflos.“ Von der Ader auf der Stirn erzählt auch eine langjährige Ex-Freundin: „Wenn er in Rage war, wurden seine Augen schwarz und die Adern zuckten.“ Jahrelang habe sie in großer Angst vor ihm gelebt. „Es ging ihm immer um Kontrolle. Ich konnte mich erst sehr spät von ihm befreien. “

Heute findet ein Lokalaugenschein statt.

Eva Stockner, Kronen Zeitung

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