15.10.2004 16:29 |

Erster Biofriedhof

Umweltfreundlich unter die Erde

Auf dem ersten umweltfreundlichen Friedhof in Kalifornien wird es weder Grabsteine, Metallsärge noch Blumengestecke geben. Auch Einbalsamierungsöle und Pflanzenschutzmittel sind tabu. Die für Friedhöfe gebräuchliche Bezeichnung "Cemetary" wird durch "Memorial Nature Preserve", etwa "Natur-Gedenkstätte" ersetzt.
Nach dem Motto "Zurück zur Natur" wollendrei amerikanische Geschäftsleute in einer Hügellandschaftnördlich von San Francisco den ersten Biofriedhof gründen."In diesem Naturpark wollen wir neben Bestattungen auch Hochzeiten,Taufen, Lesungen und Spazier-Treffs organisieren", meint der UnternehmerJoe Sehee. Die ersten Begräbnisse sind für den Spätherbstgeplant.
 
Idyllischer Friedhof in ruhiger Lage
Zusammen mit einem Friedhofsbetreiber aus Hollywoodund einem Umweltaktivisten aus South Carolina hat Sehee einenalten Friedhof im Bezirk Marin, einer Hochburg für Esoteriker,Großverdiener und Naturliebhaber, gekauft. Von einem Hügelam Rand des Friedhofs sind Masten der Golden Gate Brückezu sehen. Sehee deutet auf ein 16 Hektar große Busch- undWaldgebiet neben teuren Villensiedlungen, das durch die Friedhofsnutzungals "Naturlandschaft" vor einer möglichen Bebauung geschütztwerden soll. "Wir verstehen uns als Naturschützer", erklärtSehee. "Wir wollen die natürliche Vegetation erhalten. DieBesucher sollen ihren Ausflug zu den Gräbern in schönerNatur genießen."
 
Totensuche mit High Tech
Und sie sollen selbst mit anpacken. Nach den Plänender Betreiber werden die Angehörigen beim Schaufeln der Grabstellen,dem Versenken der Holzsärge oder beim Verstreuen der Aschemithelfen. Kleine Plaketten an Büschen oder Bäumen werdenauf die Grabstellen verweisen. Mit Hilfe von satellitengesteuertenSuchgeräten sollen sich die Besucher in dem Netz von Wanderwegenzurechtfinden. Denn schließlich wachsen Biogräber zuund sind nach kurzer Zeit nicht mehr als Grabstätten erkennbar.
 
Bereits Monate vor der offiziellen Einweihung derNatur-Ruhestätte haben sich mehr als 500 zukünftigeKunden auf einer Warteliste eingetragen, darunter die 62-jährigeMarsha Goldberg. Die in San Francisco lebende Psychologin möchtelieber "Teil der Natur werden, als eingesperrt in einer Metallboxzu liegen". Sie träumt davon, unter einem alten Baum begrabenzu werden. Dieser letzte Wunsch könnte nun in Erfüllunggehen.
 
Auch Ernest Cook von der Naturschutzorganisation"Trust for Public Land" begeistert sich für das Projekt alsein "wichtiges Werkzeug für den Landschaftsschutz". Nachdem erfolgreichen Start in Kalifornien wollen sich die Betreiberder grünen Bestattungen in den übrigen US- BundesstaatenFlächen sichern. In den nächsten 30 Jahren sollen aufdiese Weise 400.000 Hektar Land im Urzustand erhalten und alsBiofriedhof genutzt werden. Die Rechnung wird aufgehen - davonist Sehee überzeugt. Zumal die teure Pflege und Bewässerungwie bei herkömmlichen Friedhöfen entfällt. Stattdurchschnittlich 7000 Dollar für ein Begräbnis solldie Biobestattung höchstens 2000 Dollar kosten, rechnet derUnternehmer vor. "Die traditionelle Bestattungsindustrie ist zuteuer, total verschuldet und praktisch tot", prophezeit Sehee.
Sonntag, 20. Juni 2021
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