Concorde-Drama
Gericht gibt zehn Jahre nach Absturz US-Airline Mitschuld
Ein zweiter Continental-Angesteller und drei Beschuldigte von Air France wurden freisgesprochen. Sie standen wegen des Vorwurfs der Nachlässigkeit im Umgang mit bekannten Problemen am Treibstofftank der Concorde vor Gericht.
Der Anwalt von Continental, Olivier Metzner (links im Bild), kündigte an, das Urteil anzufechten. Die Entscheidung schütze nur die Interessen der französischen Wirtschaft, so Metzner. "Auch Air France hat Fehler begangen." Es seien Beweise verschwunden, das werde in den nächsten Wochen bekannt werden. "Wir sind überhaupt nicht einverstanden mit dem Urteil", sagte Continental-Sprecher Nick Britton und kündigte Berufung an. Auch der Anwalt des Mechanikers will in Berufung gehen.
Gummiteile durchschlugen Tank
Die Richter kamen zu dem Ergebnis, dass der Überschall-Jet Feuer fing, weil er beim Start über eine Titan-Lamelle rollte, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde, Gummiteile durchschlugen einen Tank des Flugzeugs und der ausströmende Treibstoff ging in Flammen auf.
Die Verteidigung der US-Airline Continental hatte dagegen behauptet, dass die Concorde bereits brannte, bevor sie die Titan-Lamelle überrollte. Ursache ihrer Angabe nach soll eine Unebenheit in der Startbahn gewesen sein. Wie die Unfallermittler auch hielt die Anklage das für falsch.
Immer wieder Zwischenfälle mit Reifen
In 24 Betriebsjahren vor dem Unfall hatte es immerhin 65 Vorfälle mit den Reifen oder Rädern gegeben. In sechs Fällen wurden die Tanks von Trümmerteilen beschädigt, ohne dass es zu Bränden kam. So war im Juli 1979 eine Concorde in Washington nur knapp einer Katastrophe entgangen: Sie konnte mit durchschlagenem Tank nach dem Start sicher landen, weil der auslaufende Treibstoff nicht Feuer fing.
Daraufhin prüfte das französische Luftfahrtamt DGAC, ob die Tanks gegen Schläge von unten verstärkt werden müssten. Doch nichts geschah - bis zur Katastrophe von Gonesse. Probleme seien damals totgeschwiegen worden, sagte der frühere Concorde-Copilot Richard Pauperoux der Zeitung "Le Journal du Dimanche".
Urteil hat nur noch symbolische Bedeutung
Für die meisten Hinterbliebenen hat das Urteil eigentlich nur noch symbolische Bedeutung. Etwa 700 Angehörige der Opfer von Flug AF 4590 einigten sich kurz nach der Katastrophe mit Air France und deren Versicherung auf Entschädigungen. Nach Schätzungen flossen 173 Millionen Euro. Als Nebenkläger traten in dem Prozess Angehörige französischer Opfer auf, die bisher keine Abfindung erhielten.
Bei der Katastrophe am 25. Juli 2000, als die Concorde über der Pariser Vorort-Gemeinde Gonesse in einem riesigen Feuerball aufging und kurz nach dem Abheben in ein Hotel stürzte, starben insgesamt 113 Menschen, 109 Menschen an Bord und vier in dem Hotel, auf das die Concorde stürzte. Die meisten Opfer waren Deutsche, die von New York aus zu einer Kreuzfahrt starten wollten.
Katastrophe läutete Ende der Concorde ein
Das Unglück hatte damals auch das Ende der Concorde eingeläutet: Zwar hob der elegante Delta-Flügler nach umfangreichen technischen Nachrüstungen im November 2001 wieder ab, doch mangelnde Nachfrage besiegelte zwei Jahre später das endgültige Aus der Concorde. Die Betreiber British Airways und Air France stellten den Betrieb endgültig ein.
Dass ein modernes Flugzeug nicht zwangsläufig abstürzen muss, wenn Trümmer Tragflächen durchschlagen, zeigte sich vor wenigen Wochen bei der Notlandung einer australischen A380. Der Airbus der Fluggesellschaft Qantas landete trotz diverser Probleme sicher, obwohl Teile eines explodierten Triebwerks eine der Tragflächen getroffen hatten.
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