01.02.2021 00:00 |

Billig-Plug-in-Hybrid

China-SUV MG EHS: Da freut sich das Sparschwein …

Die C-SUVs sind das weltweit bedeutendste Marktsegment bei den Pkws. Das ist die Klasse, wo VW Tiguan, Hyundai Tucson & Co zu Hause sind. Nun gesellt sich in Österreich noch ein chinesisches Modell dazu: der MG EHS mit 252 PS starkem Plug-in-Hybrid-Antrieb. „Krone“-Motorredakteur Stephan Schätzl hatte die Gelegenheit, eine kurze Runde mit dem Billigsdorfer zu drehen. Seine Eindrücke hier im Video!

MG ist tot, es lebe MG, könnte man sagen. Die Traditionsmarke steht längst nicht mehr für kultige Roadster, sondern - mittlerweile Teil des chinesischen SAIC-Konzerns - für Alltagsautos mit elektrifiziertem Antrieb. Seit vergangenem Jahr sind sie mit dem elektrischen Kompakt-SUV MG ZS in Österreich am Markt, allerdings wird die Marke seit Anfang des Jahres von einem anderen Importeur angeboten.

Der EHS mit Plug-in-Hybrid-Antrieb ist der zweite MG, der in Österreich (längst noch nicht in ganz Europa!) angeboten wird. Der ist mit 4,57 Meter eine Nummer größer als der ZS, sieht ihm aber ziemlich ähnlich. Er wirkt äußerlich gleichermaßen unauffällig und beinahe altbacken, und auch der EHS nimmt Anleihen bei Mazda.

Der Innenraum überrascht mit ansprechendem Design und durchaus wertigen Materialien. Auch hier ist eine gewisse Mazda-Affinität nicht zu leugnen. Platz ist reichlich vorhanden, auch auf der Rückbank. Der Kofferraum fasst 463 bzw. 1287 Liter.

Das Navitainment wird über einen 10,1-Zoll-Touchscreen bedient, unterstützt von echten Tasten, mit denen man die Haupt-Menüpunkte direkt aufrufen kann. Insgesamt wirkt das Ganze ziemlich schlüssig, bis auf das eine oder andere offensichtliche Übersetzungsproblem (siehe Video!). Abgesehen davon, dass die Sprache am Zentralbildschirm Deutsch ist, während das 12,3-Zoll-Tacho-Display auf Englisch kommuniziert.

Plug-in-Hybrid-Antrieb kräftig und zugleich lahm
Angetrieben werden die Vorderräder des MG EHS, und zwar von einem 162 PS starken 1,5-Liter-Benziner in Kombination mit einem 122-PS-Elektromotor. Gemeinsam sorgen die beiden für eine Systemleistung von 258 PS und ein Systemdrehmoment von 370 Nm. Zur Kraftübertragung haben beide je eine eigene Automatik: der Benziner eine mit sechs Gängen, der E-Motor eine Viergangautomatik.

Die Motoren sorgen eigentlich für nachdrücklichen Vortrieb, sodass kurzfristig eine gewisse Spritzigkeit zu verzeichnen ist. Jedoch nehmen sich die Getriebe teilweise extrem viel Zeit, um die Gänge zu wechseln. So bleibt von der Motorleistung nicht viel übrig und es verwundert nicht, dass trotz 258 PS und des mit 1775 gar nicht mal so hohen DIN-Gewichts der vom Hersteller mit 6,9 Sekunden angegebene Wert für den Sprint von 0 auf 100 km/h im Test deutlich verfehlt wurde (siehe Video!). Was tatsächlich nerven kann, ist die Geräuschkulisse, denn der Elektromotor ist weit entfernt von der längst üblichen akustischen Zurückhaltung und auch der Verbrenner röhrt ungeniert.

Die Batterie hat eine Kapazität von 16,6 Kilowattstunden und soll nach WLTP eine rein elektrische Reichweite von 52 Kilometer ermöglichen. Wenn sie leer ist, kann man sie mit maximal 3,7 Kilowatt wieder aufladen. So weit, so normal. Allerdings fasst der der Tank nur 37 Liter Sprit. Leider war nicht genug Zeit, den tatsächlichen Verbrauch zu ermitteln, aber wenn der Akku leer ist, dürfte die Reichweite mehr als überschaubar sein.

Durchwachsener Fahreindruck
Das Fahrwerk wurde mit dem Ziel abgestimmt, komfortabel zu sein, der MG EHS ist allerdings etwas schaukelig geraten. Gerade in schnellen Kurven taucht er weit ein. Und beim Beschleunigen auf nasser Straße drehen gerne die Räder durch. Die Lenkung vermittelt allerdings einen akzeptablen Kontakt zur Fahrbahn, verliert nur durch das weite Eintauchen an Präzision.

Der Preis ist eine Kampfansage
Der Basispreis für den MG EHS liegt bei 34.990 Euro (abzüglich 2750 Euro Elektromobilitätsförderung), allerdings kann man nicht von einem klassischen Basismodell sprechen, denn schon die „Comfort“ genannte Grundausstattung umfasst unter anderem Parkpiepser vorn und hinten, Navi mit 10-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera, Apple CarPlay und AndroidAuto, digitale Instrumente, Keyless Go, Zweizonenklimaanlage oder auch den elektrisch verstellbaren Fahrersitz. Auch das gesamte Assistentenpaket ist serienmäßig, von Autonotbremse, Totwinkelwarner, und Spurwechselassistent bis hin zu Adaptivtempomat und dem teilautonomen Autopiloten, der das Fahrzeug von selbst auf Kurs hält. MG gibt zwar an, dass das nur bis 60 km/h funktioniert, davon war im Test allerdings nichts zu merken.

Um 37.490 Bekommt man die Version „Luxury“, zu der zusätzlich unter anderem LED-Scheinwerfer, Panoramaschiebedach, dynamische Blinker, Leder- und Alcantara-Vordersitze, 360-Grad-Kamerasystem, elektrische Heckklappe oder 18-Zoll-Alufelgen gehören.

Für was Vergleichbares von einer deutschen oder koreanischen Marke muss man locker einen fünfstelligen Betrag drauflegen.

MG Motor Österreich ist Teil der Denzelgruppe. Und Denzel denkt nicht im Kleinen, sondern im Großen und ist schon mittendrin, ein großes Händlernetz über Österreich zu spannen. Und so wollen sie allein im Jahr 2021 1000 Autos verkaufen, drei Viertel davon rein elektrisch angetrieben. Es sind auch noch mehr Modelle geplant, vorläufig zumindest ein SUV und ein Kombi. Und es geistert auch die Meldung durchs Netz, dass an einem elektrischen Sportwagen gearbeitet wird.

Eine Frage ist noch zu klären: Kann man sich in dem Auto sicher fühlen? Immerhin haben chinesische Autos nicht gerade das beste Image. Dazu zwei Dinge: Der MG EHS hat fünf Sterne im EuroNCAP-Crashtest erreicht und es gibt sieben Jahre Garantie.

Unterm Strich
Der MG EHS ist ein C-SUV zum absoluten Kampfpreis, ein echtes Billigangebot, was man an manchen Stellen auch merkt. Jedoch ist der Qualitätseindruck überraschend gut, die Verarbeitungsqualität sorgt nicht für negative Überraschungen. Auch das Bediensystem stellt den Fahrer nicht vor Rätsel, auch wenn die Übersetzungsfehler schon sehr seltsam sind. Damit, dass Antrieb und Fahrverhalten nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind, kann man leben - wenn man nicht allzu hohe Ansprüche, dafür aber ein schmales Budget hat.

Warum?
Unschlagbarer Preis
Gelungener Innenraum

Warum nicht?
Lahmer, lauter Antrieb

Oder vielleicht ...
... eine etablierte Marke wählen, dafür aber mit weniger Ausstattung/weniger Platz.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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