Terror-Warnung

Reichstag als Ziel? Deutschland sieht “reale Gefährdung”

Ausland
20.11.2010 20:29
Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten offenbar einen Terroranschlag auf den Reichstag in Berlin. Ein deutscher Islamist soll sich aus dem Ausland mit entsprechenden Informationen beim Bundeskriminalamt gemeldet haben. Nach Darstellung des "Gotteskriegers" wollte bzw. will ein Kommando von Al-Kaida das Parlament stürmen, Geiseln nehmen und ein Blutbad anrichten. Die Behörden beschwichtigen.

"Zu Panik und Hysterie besteht in Deutschland kein Anlass", versuchte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Samstagabend die Bevölkerung zu beruhigen. Es gebe angesichts der Erkenntnisse der Behörden "keinen Grund, irgendeine öffentliche Veranstaltung abzusagen", sagte Ziercke. "Ich gehe in jedem Fall mit meinen Kindern auf den Weihnachtsmarkt." Seine Behörde habe keine Informationen über konkrete Anschlagsorte oder Täter, aber: "Natürlich ist es so, dass symbolträchtige Objekte in Deutschland insgesamt im Fokus stehen könnten."

"Spiegel" enthüllte Attentatspläne
Laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" soll die Attacke für Februar oder März geplant (gewesen) sein. Gedacht sei auch an einen Bombenanschlag in Deutschland mit einem Handy als Zünder, schrieb das Magazin unter Berufung auf informierte Kreise. 

Nach Angaben des BKA-Informanten solle das Terrorkommando aus sechs Personen bestehen. Zwei von ihnen seien vor sechs bis acht Wochen nach Berlin gereist und dort untergetaucht. Vier weitere Komplizen, ein Deutscher, ein Türke, ein Nordafrikaner und ein Mann, dessen Identität er nicht kenne, warteten auf ihre Abreise. 

Merkel: "Reale Gefährdung"
Kanzlerin Angela Merkel bestätigte die Meldung nicht, erklärte in Lissabon am Rande des NATO-Gipfels aber: "Wir haben eine reale Gefährdung durch den Terrorismus, das muss man einfach sehen." Der Bundestag soll am Dienstag auf einer Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums über die Lage informiert werden. Für die Besucher des Reichstags, in Berlin eine der größten Tourisstenattraktion, gebe es vorerst aber keine Einschränkungen.

Laut "Spiegel" stecken neben der bereits bekannten FBI-Quelle auch Aussagen des deutschen Islamisten auch hinter der Terrorwarnung, mit der am Mittwoch der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere an die Öffentlichkeit ging. Das aus Deutschland stammende Al-Kaida-Mitglied habe sich mehrmals telefonisch an das BKA gewandt. Der Jihadist wolle aus der Terrorszene aussteigen und zu seiner Familie nach Deutschland zurückkehren, heißt es.

"Keine Hinweise auf Bedrohung" in Österreich
In Österreich gibt es laut Innenministerium dagegen keine Hinweis auf eine terroristische Bedrohung. Man habe in den vergangenen Tagen mit den deutschen Behörden Kontakt gehabt, und auch das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung  beobachte und bewerte die Lage ständig, sagte Ministeriums-Sprecher Rudolf Gollia am Samstag. 

Das BVT könne derzeit "keinen Anhaltspunkt erkennen, dass sich die Bedrohungslage in Österreich verändert hätte". Eine "latente terroristische Bedrohung" sei wohl in so gut wie jedem Land der Welt, also auch in Österreich, nicht auszuschließen. "Aber es gibt keine Hinweise auf akute Bedrohung in Österreich", hielt Gollia fest. 

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