08.01.2021 10:28 |

Wegen 737-Debakel

Boeing zu 2,5 Milliarden Dollar Strafe verdonnert

Das Desaster um den Absturzflieger 737 Max kommt den US-Luftfahrtriesen Boeing teuer zu stehen. Der Flugzeugbauer habe wegen Betrugs- und Verschwörungsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Skandal Strafzahlungen von mehr als 2,5 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) zur Beilegung strafrechtlicher Verfahren zugestimmt, teilte das US-Justizministerium am Donnerstag mit. Den Löwenanteil davon sollen geschädigte Fluggesellschaften bekommen, nur 500 Millionen Dollar sollen an Angehörige von Absturzopfern gehen.

Boeing war nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten in Verdacht geraten, seine bestverkaufte Modellserie 737 Max überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Die US-Justizbehörden beschuldigen Boeing nun unter anderem, die Regierung mit irreführenden Angaben dabei behindert zu haben, die Sicherheit im öffentlichen Flugverkehr zu gewährleisten.

„Betrügerisches und irreführendes Verhalten“
„Die tragischen Abstürze des Lion-Air-Flugs 610 und des Ethiopian-Air-Flugs 302 brachten betrügerisches und irreführendes Verhalten von Mitarbeitern eines der weltweit führenden Flugzeughersteller zum Vorschein“, erklärte David P. Burns von der strafrechtlichen Abteilung des Justizministeriums. Boeings Angestellte hätten den Profit über die Aufrichtigkeit gestellt und der US-Luftfahrtaufsicht FAA Informationen vorenthalten.

Sowohl Boeing als auch die FAA waren im Zuge der Unglücke vom Oktober 2018 und März 2019 heftig unter Beschuss geraten. Als hauptsächliche Unfallursache gilt eine defekte Steuerungssoftware von Boeing, die eigentlich rasch hätte repariert werden sollen. Stattdessen dauerte es mehr als eineinhalb Jahre, bis die FAA den wegen der Abstürze mit Startverboten belegten Unglücksflieger wieder zuließ.

Boeing reagiert mit Stellenabbau
Die hohe Strafe dürfte den stark angeschlagenen Airbus-Rivalen zwar schmerzen - doch verglichen mit den immensen Kosten, die das Debakel um den wichtigsten Flugzeugtyp des Konzerns bereits verursacht hat, ist die Summe noch relativ überschaubar. Anleger reagierten vergleichsweise gelassen, Boeings Aktien gerieten nachbörslich zunächst nur leicht ins Minus.
Nach den Abstürzen wurden zahlreiche Aufträge storniert, Boeing entstanden etliche Milliarden an Sonderkosten. Als drastische Sparmaßnahmen will Boeing seine Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130.000 senken. Anfang 2020 hatte das Unternehmen noch etwa 160.000 Beschäftigte.

Serie von Verfehlungen führte zu Abstürzen 
Vor der Bestrafung durch das Justizministerium hatte bereits ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses heftige Kritik an Boeing geäußert. „Die Max-Abstürze waren nicht das Ergebnis eines einzelnen Versagens, technischer Fehler oder schlecht gehandhabter Ereignisse“, hieß es im Abschlussbericht. „Sie waren der schreckliche Höhepunkt einer Reihe falscher technischer Annahmen von Boeing-Ingenieuren, mangelnder Transparenz aufseiten des Managements und einer grob unzureichenden Aufsicht durch die FAA.“ Boeing war zudem auch in dem Bericht schon eine „Kultur des Verheimlichens“ vorgeworfen worden.

Opferangehörige bekommen 500 Millionen Dollar
Der Großteil der Strafzahlungen soll mit 1,77 Milliarden Dollar Fluggesellschaften zufließen, die als Kunden von Boeing geschädigt wurden. 500 Millionen Dollar gehen dem Justizministerium zufolge an einen Entschädigungsfonds für Angehörige von Absturzopfern. Hinzu kommen 234,6 Millionen Dollar, die dem Unternehmen von den Justizbehörden als zusätzliche Strafe auferlegt wurden. Ob Boeing damit aus dem Schneider ist, bleibt abzuwarten. Es laufen auch noch etliche Klagen wegen der 737-Max-Abstürze gegen den Konzern.

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