Lehrer stufen ein

Abschlussprüfungen heuer in England gestrichen

Ausland
06.01.2021 18:48

Die britische Regierung hat die Prüfungen zur mittleren Reife (GCSE) und zur Hochschulreife (A-Level) in England für dieses Jahr gestrichen. Das teilte Bildungsminister Gavin Williamson am Mittwoch mit. Stattdessen solle die Leistung der Schüler von ihren Lehrern eingestuft werden, sagte der Minister im Unterhaus in London.

Im vergangenen Jahr hatte sich die Regierung wegen abgesagter Abschlussprüfungen an Schulen viel Ärger eingehandelt. Das Kultusministerium wollte damals die Notenvergabe einem Computerprogramm überlassen. Ziel war es, die tendenziell zu positiven Einschätzungen der Lehrer auf ein Durchschnittsniveau der vergangenen Jahre zu drücken. Das geschah durch einen Algorithmus, bei dem teilweise Schüler bis um drei Notenpunkte schlechter wegkamen, als ihre Lehrer empfohlen hatten.

Es kam zu einem Aufschrei von Schülern, die sich benachteiligt fühlten und teilweise ihre Träume von einem Studienplatz platzen sahen. Die Regierung vollzog daraufhin eine Kehrtwende und ließ die Einschätzung der Lehrer gelten.

Bildungsminister Gavin Williamson bei seiner Rede im Londoner Unterhaus (Bild: APA/AFP/PRU)
Bildungsminister Gavin Williamson bei seiner Rede im Londoner Unterhaus

Schlingerkurs
Williamson steht wegen des Schlingerkurses der Regierung bei Schulschließungen heftig unter Druck. Erst am Sonntag hatte Premierminister Boris Johnson noch verteidigt, dass Schulen in Teilen Englands offen bleiben sollten, bevor er am Montag verkündete, alle Schulen sollten schließen. Williamson hatte noch in der vergangenen Woche darauf beharrt, dass in der besonders stark von der Epidemie betroffenen Hauptstadt London Schulen teilweise wieder öffnen sollen. Die Opposition rief den Minister zum Rücktritt auf. Johnson stärkte ihm den Rücken.

Rekord an Neuinfektionen
Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat indes am Mittwoch in Großbritannien einen Rekordwert erreicht. Mehr als 62.322 Fälle wurden innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums gemeldet - so viele wie noch nie zuvor. Gleichzeitig wurden 1041 neue Todesfälle registriert. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegt landesweit inzwischen bei rund 550. Der Wert stammt allerdings vom 1. Jänner. Insgesamt starben im Vereinigten Königreich bisher mehr als 82.600 Menschen an oder mit einer Covid-19-Erkrankung.

(Bild: AFP/Tolga Akmen)

Seit Dienstag gilt daher in England ein landesweiter Lockdown, es ist bereits der dritte. Menschen sollen ihre Häuser und Wohnungen nur verlassen um einzukaufen, zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Pro Tag darf man nur eine Stunde für Spaziergänge oder zum Joggen im Freien verbringen. Schulen, Fitness- und Sportstätten sind ebenso geschlossen wie Geschäfte, die vor allem Waren verkaufen, die nicht lebensnotwendig sind. In den Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland gelten ähnliche Bestimmungen.

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