Die Eckdaten des futuristischen Ballerspektakels sind schnell umrissen: Sam Gideon ist der kettenrauchende Held am Schlachtfeld, der im Jahr 2011 zur Rettung der westlichen Welt gegen jede Menge russischer Blechsoldaten auf der Weltraumbasis Providence zu Felde zieht. Sauer und lässig-motiviert ist er deshalb, weil kurz zuvor San Francisco samt Bevölkerung mit einem Laser beschossen und frittiert wurde. Soviel zur Handlung, mehr ist dazu nicht zu sagen – muss es auch nicht, denn der Fokus liegt eindeutig auf dem Verschrotten zahlloser Roboter-Krieger.
Und hier hat PlatinumGames unter der Leitung von Resident-Evil-Schöpfer Shinji Mikami wirklich Imposantes und Rasantes geschaffen. Die Raumstation, auf der es zur Sache geht, erinnert stark an das Design des "Halo"-Rings. Das kybernetisch-futuristische Gesamtkonzept strotzt allerdings derart vor Detailverliebtheit, dass es einer Gewöhnungsphase bedarf, ehe die selektive Wahrnehmung voll funktionstüchtig ist. Bis dahin neigt man dazu, in Panik den Controller ins Korn zu werfen...
Auf Schienbeinen übers Schlachtfeld schlittern
Wäre das Spiel nun auf Schleichen und "Sich-um-Ecken-drücken" ausgelegt, wäre ja alles halb so schlimm. Doch zur Bilderflut gesellt sich flugs noch der Geschwindigkeitsrausch. Möglich macht das hohe Tempo ein taktischer Kampfanzug, der so genannte Augmented Reaction Suit (ARS). Dieser verleiht Sam übermenschliche Reaktions- und Verrenkungsfähigkeiten und lässt ihn per Boost-Funktion meist auf den Schienbeinen über das Schlachtfeld schlittern.
Auch ein Slow-Motion-Mode lässt sich im Kampf aktivieren und verschafft entscheidende Vorteile in haarigen Momenten. Die Nutzung der Super-Gadgets erfordert allerdings einige Übung. Ein Tutorial bietet da zwar Hilfestellung, selbiges zwei Mal zu absolvieren macht aber durchaus Sinn. Hat man den Dreh dann nach etwa drei Missionen langsam raus, entspinnt sich ein wahrlich freudiges Rutsch- und Verschrottungserlebnis.
Haushohe Boss-Roboter mit leuchtenden Achillesfersen
Das einfache Prinzip aus Deckung suchen, draufhalten und per Düsenantrieb vorpreschen ist letztlich aber unumgänglich. Denn die mannigfaltigen und zahlreichen Gegner sind auch nicht von gestern. Im Gegenteil. Immer neue Blechgesellen machen dem Spieler die Hölle heiß. Die Bosskämpfe sind ebenso zahlreich, wie fordernd. Und auch hier schlägt der Hang zum Bombastischen voll durch, wenn sich oft haushohe Endgegner mit allerlei Laser-, Raketen- und Projektil-Spielzeug dem Helden in den Weg stellen. Zwar sind die Achillesfersen der Monster meist leicht zu identifizieren, der Spaßfaktor bleibt trotzdem hoch, die Herausforderung steigt kontinuierlich.
Waffen "entfalten" sich am Abzugsfinger
Das Mittel der Brachialgewalt will daher weise gewählt sein. Neben schwerem Maschinengewehr und Sturmgewehr, Shotgun und Sniper-Kaliber stehen Sam auch noch allerlei energiebasierte Wummen zur Verfügung. Die Waffen selbst können durch ein schlichtes Upgradesystem aufgepeppt werden, was sich im Fassungsvermögen der Magazine oder in der Feuerkraft niederschlägt. Optisch erfrischend mutet auch das Wechseln der Waffen an, die sich in Sekundenbruchteilen um den Abzugsfinger des Helden zusammensetzen. Wird es jedoch richtig eng, hat Sam - pardon, sein ARS - noch einige Nahkampf-Qualitäten mit "Ein-Knopf"-Bedienung in petto...
Auch dem Retro-Look wurde Tribut gezollt und so findet sich am Bildschirm stets eine Score-Einblendung die über den jeweiligen Punktstand informiert. Diese dient aber nur der Online-Veröffentlichung, mehr auch nicht - gefällt aber dennoch.
Fazit: Wer den echten Speed-Kick samt Kanone sucht, sollte sich "Vanquish" (Sega) wohl nicht entgehen lassen. Jedoch verlangt der extrem hohe Grad an Detaildichte in Kombination mit der rasanten Spielgestaltung schon nach einiger Nervenstärke. Hat man sich erst einmal eingewöhnt, lassen sich fortan in dem futuristischen Third-Person-Shooter rund acht Stunden lang Roboter und deren gigantische Bosse nach Herzenslust verschrotten. Noch ein Tipp für einen Pflicht-Erfolg: Im Kugelhagel eine Kippe auspacken, schnell einen tiefen Zug genießen und dem nächstgelegenen Robo vor die Fuße geschnippt. Ungesund zwar, aber cooler geht's wohl kaum...
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 8/10
von Fritz Schneeberger
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