Abschiedsbrief:

Todesdrama um krankes Pensionisten-Ehepaar

Der fortschreitende gesundheitliche Verfall dürfte – wie in Teilen der Mittwoch-Krone berichtet – bei einem Ehepaar in Steinbach/Steyr den Entschluss reifen haben lassen, gewaltsam aus dem Leben zu scheiden. Der 83-jährige Rudolf R. erschoss seine Frau Mathilde (78), tötete sich dann selbst. Ein Taxilenker fand die Leichen.

Taxilenker Hermann R. (68) hatte Mathilde R. am Montag um 9 Uhr im Pflegeheim Grünburg abgeholt, wo sie schnell noch einen Coronatest machen musste. Zehn Minuten später konnte er die im Rollstuhl sitzende Pensionistin dann in die Obhut von Ehemann Rudolf übergeben. „Auf meine Frage, wann ich wiederkommen soll, meinte er ,16 Uhr‘. Das war ungewöhnlich, sonst sollten wir immer gegen 16.30 Uhr kommen“, erklärt der Taxichauffeur.

Niemand wartete
Als er zur vereinbarten Zeit eintraf, wartete das Ehepaar nicht, wie sonst, im Zufahrtsbereich auf ihn. Hermann R. ließ noch 7 Minuten verstreichen, ehe er zur Eingangstür ging und die Klinke drückte. Zu seiner Überraschung war sie unversperrt. Im Foyer fiel sein Blick dann sofort auf die Leiche von Rudolf R.

Revolver lag neben ihm
„Mir war völlig klar, dass nichts mehr zu machen ist. Er ist tot am Boden gelegen und neben ihm der Revolver. Seine Frau ist im Rollstuhl gesessen, auch sie war tot“, sagt der Taxler, der Polizei und Rettung alarmierte.

Alles per Testament geregelt
Die Einsatzkräfte konnten auch nicht mehr helfen. Sie fanden einen Abschiedsbrief, in dem das Ehepaar erklärte, aus dem Leben scheiden zu wollen, weil es beiden nicht mehr gut geht. Auch testamentarisch wurde offenbar alles penibel geregelt, denn der pensionierte Psychologe und seine Frau hatten keine Kinder.

„Ich komme nicht mehr“
Für die Polizei ist der Fall geklärt. Die Obduktion ergab, dass die Frau durch zwei Schüsse aus nächster Nähe getötet worden war, der Ehemann starb durch eine Kugel. Im Heim soll die 78-Jährige auf die Frage, was sie zum Abendessen möchte, erklärt haben: „Ich brauche keines, ich komme nicht mehr.“

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern finden Sie HIER.

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner
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Donnerstag, 23. September 2021
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