22.12.2020 06:30 |

Heiße Phase

Die Baumeister der Weihnachtszeit

Sie löten, hämmern und schrauben: Für Vorarlbergs Krippenbauern ist nun die heiße Phase angebrochen. Zeit bleibt ihnen jetzt aber nur noch für den allerletzten Schliff.

Manche zwängen die Heilige Familie in eine Nussschale, andere betten Jesuskinder in Lebensgröße in ihre Krippen. Erich Kirner und Kurt Hofer gehören nicht zu den Minimalisten. Die „Krippeler“ bauen ganze Landschaften und stellen die unterschiedlichsten Szenen aus dem Weihnachtsevangelium dar. Kirner ist seit 40 Jahren Krippenbauer aus Leidenschaft. Wie viele Krippen er schon gebaut hat? Er lacht. „Sagen wir es so: Mein Freundes- und Bekanntenkreis ist zur Weihnachtszeit jedenfalls gut aufgestellt.“ Und das nur mit den Krippen, die Kirner für sich selbst gebaut hat.

Zahlenmäßig in ganz andere Dimensionen gelangt man, wenn man an all jene weihnachtlichen Objekte denkt, die Kirner mit seinen Schülern in unzähligen Kursen des Krippenvereins Lustenau gefertigt hat. Dort wird auch jetzt noch gesägt, gebohrt, geschliffen, geklebt und geschraubt - allerdings ohne Schüler, denn heuer mussten die Kurse wegen Corona entfallen. „Traurig, aber es nützt ja nichts“, kommentiert Kirner diesen Umstand.

Verwandlungskünstlerin

Die Krippenbauer halten sich in ihrer Werkstatt in Lustenau bei Laune, indem sie alte Krippen ehemaliger Kursteilnehmer restaurieren oder ohnehin schon wieder an einer eigenen, neuen Krippe arbeiten. Die Vereinswerkstatt ist bestens ausgestattet - mit Werkzeug, aber auch mit Baumaterial. Aber eigentlich ist die Werkstatt so etwas wie ein Zauberkabinett: Dort werden Föhrenäste zu Palmbaumstämmen, Tannenwurzeln zu kleinen, wildwüchsigen Bäumen, alte Botaniksammlungen zu fein geriebenen Streumaterial, Holzschindeln zu Hauswänden, Kartonrollen zu Türmen, Lavendelsträucher zu Wäldern, Oregano zu Laub. „Es gibt nichts, was Krippeler nicht brauchen könnten“, sagt Kirner, der wie jeder andere Baumeister, der etwas auf sich hält, selbst in den Wald geht und Material sammelt. Dieses wird dann in der Werkstatt fein säuberlich sortiert und gelagert - bis es zum Einsatz kommt.

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Es gibt nichts, was Krippeler nicht brauchen könnten

Erich Kirner, Krippenbauer

Bevor das passiert, muss aber erst klar sein, welche Art von Krippe gebaut werden soll. Neulinge können schnell den Überblick verlieren, hier ein kleiner Auszug: Es gibt etwa Stil-Krippen (Konzentration auf das Wesentliche), Laternen-Krippen, Schwammkrippen (die Heilige Familie wird auf einem Baumschwamm platziert), Kasten-Krippen, doppelstöckige Krippen (aus Platzgründen) und Schnee-Krippen. Und dann stellt sich natürlich noch die Frage aller Fragen: Soll es eine Heimat-Krippe (Bauernhaus-Style) oder eine orientalische Krippe (Kirners favorisierte Variante) werden?

Wofür auch immer man sich entscheidet, Krippenbauen ist ein Zeitfresser. Wer sich für einen Kurs bei den Profis entscheidet, muss 14 Abende zu je vier Stunden einplanen. Und selbst dann gehen sich zwar ansehnliche Ensembles aus, aber für die absoluten Hingucker, in denen ganze Stadtteile abgebildet sind und wo von der Herbergssuche über die Szene im Stall bis zur Ankunft der Heiligen Drei Könige, der Engelserscheinung am Hirtenfeld und der Flucht nach Ägypten alles Platz findet, müssen schon an die 300 Stunden eingerechnet werden. Kirner nennt sein Hobby „zeitdruckverpönt“, sein Kollege lächelt wissend.

Was bei einer Profi-Krippe noch dazu kommt, ist der Hintergrund. Ein Bild, das entweder Betlehem oder eine Naturlandschaft zeigt und den passenden Abschluss des Ensembles bildet. Diese Hintergründe werden übrigens - wie auch die Figuren - nicht von den Krippenbauern gestaltet. Dafür gibt es eigene Fachleute.

Dass bei Krippenbauern übrigens das ganze Jahr über Weihnachten ist, stimmt nicht. Nach Maria Lichtmess (2. Februar) verschwinden die Krippen wieder im Schrank - oder bei entsprechender Größe auch in einer Lagerhalle.

Angelika Drnek

 Vorarlberg-Krone
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