Winnenden-Prozess

Sturzbetrunkener Schöffe wird nach Skandal ersetzt

Ausland
09.11.2010 11:27
Nach einem Skandal um einen betrunkenen und pöbelnden Schöffen wird der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden nun mit einem Ersatz-Laienrichter fortgesetzt. Der 59-jährige Angeklagte muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe, mit der sein 17-jähriger Sohn am 11. März 2009 15 Menschen und sich selbst erschossen hatte, unverschlossen aufbewahrt hatte.

Was sich der Schöffe geleistet habe, gehe "über die Grenzen des Tolerierbaren weit hinaus", sagte der Vorsitzende Richter Reiner Skujat am Dienstag. Der Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft, dem auch mehrere Opfer-Eltern zustimmten, sei begründet, da der Schöffe offenbar "ein gestörtes Verhältnis zur Polizei" habe.

Betrunkener Schöffe beschimpfte Polizisten
Die Polizei hatte den Schöffen in der Nacht vor dem vergangenen Prozesstag sturzbetrunken und schlafend in der Stuttgarter Innenstadt aufgegriffen. Laut Skujat hatte er auch diverse Unterlagen aus dem Prozess dabei, etwa die Anklageschrift und handschriftliche Aufzeichnungen. Später habe er die Polizisten als "Idioten" und "Scheißkerle" beschimpft. Zwar wolle er sich für seine Tat entschuldigen, dennoch sei das Misstrauen gegen ihn begründet, meinte Skujat. Es sei nicht mehr gewährleistet, dass er unparteilich werte.

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