10.12.2020 12:00 |

Wissen und Tipps

Schnee auf Dächern: Wann wird es kritisch?

Sorge herrscht nach der extremen Wetterlage in südlichen Tiroler Landesteilen. Önormen regeln die Tragfähigkeit, die bis zu 1080 Kilo pro Quadratmeter am Arlberg reichen muss. Ein Experte gibt Tipps, wie Hausbesitzer die Last auf dem Dach berechnen können.

Knackt es schon in meinem Gebälk? Nicht wenige Hausbesitzer, vor allem in Osttirol, dürften dieser Tage in Sorge sein, ob ihr Dach den enormen nassen Schneemengen standhält. Wie fast überall im Leben gibt es auch hier exakte Önormen, die über die Jahre dem Stand der Technik und den regionalen Wettererfahrungen angepasst werden. Zuständig für die Regeln ist seit dem Jahr 1920 die Organisation Austrian Standards in Wien.

Nassschnee viermal so schwer als Pulverschnee
Die derzeitigen Vorschriften: Heimische Dächer müssen eine Last von 84 Kilo pro m² (Hallendach in Wien) bis zu 1080 Kilo pro m² (Gebäude am Arlberg) aushalten. „Richtig drückend wird das Gewicht, wenn der Schnee nass und schwer wird und längere Zeit liegen bleibt“, betont Anton Pech, Ziviltechniker und Vorsitzender des Komitees 176 („Belastungsannahmen im Bauwesen“) bei Austrian Standards.

So verursachen zehn Zentimeter frisch gefallener Pulverschnee eine Last von zehn Kilo pro Quadratmeter. Bei zehn Zentimeter Nassschnee drücken bereits 40 Kilo auf das Dach. Und bei einer zehn Zentimeter dicken Eisschicht sind es sogar rund 90 Kilo.

Gewisse Sicherheit, falls Norm beachtet
Experte Pech beruhigt besorgte Hausbesitzer: „Durch die Anwendung der Önorm bei der Errichtung von Dachkonstruktionen wird das Risiko minimiert und das Gefahrenpotenzial berechenbar.“ Die wichtigsten Faktoren für die Bestimmung der Schneelast sind die lokale Klimazone und die topografische Höhe. „Diese Faktoren lassen auf ein zu erwartendes Niederschlagsaufkommen schließen“, präzisiert Pech. Die Önorm teilt Österreich übrigens in vier Lastzonen ein, die auf Basis langjähriger Messungen meteorologischer Daten erfolgt. Die Zonen sind jedoch nur für Orte mit Seehöhen bis 1500 Meter anzuwenden. Darüber liegen ohnehin nur Arlbergorte bzw. Obergurgl, dort sind die ZAMG bzw. Baubehörden zuständig.

Empfehlungen für heimische Hausbesitzer
Was hilft nun, um die Gefahr konkret einzuschätzen? „Steile Dächer ohne Schneenasen oder Schneerechen, die eine Neigung von mehr als 60 Grad aufweisen, sind von dem Problem nicht betroffen, da der Schnee hier abrutschen kann. Es empfiehlt sich aber eine regelmäßige Kontrolle“, sagt Pech. Er hat einen Tipp parat, für den man aber die Tragfähigkeit des Daches kennen muss (zu finden meist im Bauakt): „Wer wissen will, ob die Schneelast am Limit schrammt, der sticht am besten ein Stück des Schnees aus, wiegt es ab und rechnet das Gewicht auf die Dachfläche des Hauses hoch.“

Das Land Tirol wies ebenfalls auf die Gefährdung von Hausdächern durch Schneelast hin – aber auch auf die Gefahr beim Abschöpfen. Auf der Homepage der Bezirkshauptmannschaft Lienz unter https://www.tirol.gv.at/lienz/ (dann Link zu „Schneesituation“) wird diesbezüglich eine Excel-Tabelle zur Berechnung der Schneelasten bereitgestellt. Auch die Beiziehung eines Statikers wird bei Unsicherheiten empfohlen.

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