"So ein Eingriff wird sehr selten probiert", erklärte Stöckl nach der erfolgreichen OP. Der Patient wurde in der Nacht auf Sonntag mit dem Hubschrauber eingeliefert und von Ärzten der Unfallchirurgie und Urologie operiert. Der Mann hatte sich aus bisher ungeklärten Gründen selbst mit einem scharfen Gegenstand die Hoden abgetrennt, so Stöckl. Die Beweggründe waren vorerst noch unklar.
Neue Methode aus China angewendet
"Wir sind zuversichtlich, dass der Mann weiterhin zeugungsfähig sein wird und dass die Hormonproduktion auch gewährleistet ist", erklärte Peter Sternig, Oberarzt der Urologie in Klagenfurt, am Montag. 95 Prozent des Hormons Testosteron werde laut Sternig in den Hoden produziert. "Wir haben eine neue Methode zur Replantation aus China angewendet, die sehr gut funktioniert", erläuterte der Gefäßchirurg. Die linke Arterie habe nur einen Durchmesser von 1,2 Millimeter, die der rechten Hoden sogar nur 0,8 Millimeter. Beide Hoden seien nach der Operation gut durchblutet, der Patient befinde sich auf der Intensivstation.
Österreichweit sei dies das erste Mal gewesen, dass gleich beide Hoden erfolgreich wieder angenäht wurden. Europaweit gab es einen Fall. Da sei, so Sternig, aber nur ein Hoden betroffen gewesen. Wesentlich für den Erfolg der Operation sei die kurze Zeit zwischen Verständigung der Rettung und der Operation gewesen. "Die Überlebenszeit der Hoden für die Spermienproduktion beträgt nämlich nur sechs Stunden, für die Hormonproduktion zehn Stunden", erklärte der Urologe.
"Klinikum doch ein Top-Haus"
Gerade vergangenen Dienstag wurde einem 59-jährigen Kärntner im Klinikum irrtümlich statt der tumorbefallenen linken die gesunde rechte Niere entfernt. "Diese Operation ist deshalb nach den negativen Medienberichten der letzten Zeit ein wunderbares Signal dafür, dass das Klinikum doch ein Top-Haus ist", sagte Direktor Stöckl.
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