Giftunfall in Ungarn
71-Jähriger starb im Krankenhaus – zehntes Opfer
Am 4. Oktober war der Damm eines Abfallbeckens der Firma gebrochen. Die giftige rote Substanz ergoss sich über mehrere Ortschaften, hauptbetroffen war Kolontar. Rund 150 Menschen wurden verletzt, mehr als 350 Häuser zerstört und eine Fläche von 40 Quadratkilometern verseucht.
Das Abfallbecken gehört zu einem Bauxitwerk der Firma MAL AG. Die Regierung in Budapest stellte das Unternehmen nach dem Unglück unter staatliche Zwangsverwaltung. Anwälte der Firma sowie der Opfer verhandeln derzeit über Schadenersatzforderungen.
Die MAL AG ("Magyar Aluminium") ist durch die Umweltkatastrophe international ins Blickfeld geraten. 1995 im Zuge der Privatisierung der ungarischen Aluminiumindustrie von ungarischen Privatpersonen gegründet, kontrolliert die Aktiengesellschaft das traditionelle Zentrum der Aluminiumindustrie des Landes um die Stadt Ajka nördlich des Plattensees. Nach eigenen Angaben ist MAL der zweitgrößte Aluminiumhersteller Ungarns und heute der einzige Aluminiumoxidproduzent des Landes. Die AG befindet sich zu 100 Prozent in ungarischem Besitz, wobei Generaldirektor Bakonyi der Sohn eines Miteigentümers ist.
Die Firma beschäftigt 1.100 Mitarbeiter in Ajka und Umgebung. Der Anteil von MAL am europäischen Markt beträgt 12 Prozent; nach eigenen Angaben gehört das Unternehmen zu den Marktführern in Mitteleuropa. MAL ist neben dem von der Rotschlamm-Katastrophe betroffenen Aluminiumoxidwerk in Ajka auch Eigner einer Bauxitmine und eines Aluminiumwerkes in der Region. Weiters besitzt das Unternehmen Mehrheitsbeteiligungen an der auf Silikate und Tonerden spezialisierten slowenischen Firma Silkem und der bosnischen Bauxitminengesellschaft Rudnici Boksita Jajce.
Zudem besitzt die MAL zwei Tochterfirmen in Deutschland und Rumänien: Die MAL-Deutschland Aluminium HandelsGes.m.b.H. in Düsseldorf ist auf den Vertrieb im deutschen Sprachraum spezialisiert, MAL-Product S.R.L. in Miercurea Ciuc auf die Herstellung und den Vertrieb von Fertigprodukten.
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