Glühende Asche

Bisher schwerste Merapi-Eruption fordert 69 Tote

Ausland
05.11.2010 08:29
Beim wohl schlimmsten Ausbruch des indonesischen Vulkans Merapi seit mehr als 100 Jahren sind mehr als 70 Menschen gestorben. 150 Menschen wurden in der Nacht auf Freitag nach Krankenhausangaben teils schwer verletzt. Mit lautem Getöse hatte sich kurz nach Mitternacht die bisher schwerste Eruption seit dem Erwachen des Vulkans vor knapp zwei Wochen angekündigt. Seit 26. Oktober kamen mehr als 120 Menschen im Gebiet um den Merapi ums Leben.

"Dies ist der schwerste Ausbruch des Merapi seit mindestens 100 Jahren", sagte der Chefgeologe des Energieministeriums, Raden Sukhyiar. Der Merapi ist einer der gefährlichsten Vulkane der Welt, zuletzt war er vor vier Jahren ausgebrochen. 1930 waren bei einem Ausbruch 13 Dörfer zerstört worden und 1.370 Menschen ums Leben gekommen. "Es sieht so aus, als würden die Eruptionen weitergehen", sagte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono.

Aus dem Krater stob in der Nacht auf Freitag glühende Asche, sie brachte an den Hängen des 3.000 Meter hohen Berges auf der indonesischen Insel Java erneut Tod und Zerstörung. Wer konnte, rannte in der Nacht noch um sein Leben, als die Glutwolken die Hänge hinunterrasten. In den Notunterkünften kamen am Morgen viele völlig verstörte Menschen an. "Mein Haus ist abgebrannt, das ganze Dorf liegt unter einer dicken Ascheschicht", berichtete ein schockierter Anrainer. Sein ganzer Kopf war mit grauer Asche bedeckt. Ein kleiner Bub, vielleicht fünf Jahre alt, stand offensichtlich unter Schock, er blickte stur geradeaus und hatte verkrustete Asche auf der Lippe.

"Wir haben überall verbrannte Leichen gesehen"
Die Ascheströme waren so heiß, dass sie alles auf ihrem Weg in Brand setzten. Im Nachthimmel waren die lodernden Flammen zu sehen, die ganze Dörfer auslöschten. Stundenlang konnten die Helfer nicht vorrücken, weil ihnen die heiße Ascheschicht die Schuhsohlen weggebrannt hätte. Helfer Bayu Gawtama kämpfte sich zu dem Dorf Bronggang vor, nachdem Flüchtlinge von der dortigen Not berichteten. "Wir haben überall verbrannte Leichen gesehen", sagte er. "Die, die noch lebten, schrien um Hilfe." Eine sterbende Frau habe ihm ihren dreijährigen Sohn anvertraut. "Wir haben sechs Leute lebend geborgen, aber wir konnten nicht alle retten - auch die Frau nicht, die Hitze war zu intensiv."

Wo die Erde abgekühlt war, zeigte sich Freitag früh eine kahle Mondlandschaft. Das nationale Fernsehen zeigte Brandruinen und totes Vieh auf den Weiden. Über allem lag eine zentimeterdicke graue Schicht. Die Behörden hatten die Gefahrenzone um den Krater gerade von 15 auf 20 Kilometer ausgedehnt. Etliche Anrainer widersetzten sich jedoch dem Räumungsbefehl, vor allem, weil sie ihr Vieh nicht verlieren wollten. Viele der Opfer wurden nun im Dorf Cangkringan rund 15 Kilometer unterhalb des Kraters geborgen.

Präsident Susilo Bambang Yudhoyono kündigte ein staatliches Viehkauf-Programm an. Die Menschen sollen mit dem Bargeld für einen Neuanfang dazu gebracht werden, sich der Räumung nicht länger zu widersetzen. Rund um den Merapi wurden zudem weitere Suppenküchen eingerichtet. Zu den Notunterkünften werden mehr Psychologen  gebracht, um den Menschen beizustehen. 160.000 Menschen waren bis Freitag aus ihren Häusern geflohen.

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